Elm Tree Circle – The Good Life

Label KROD Records
Musikrichtung Pop Punk, Emo
Redaktion
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Pünktlich zum Eurovision Song Contest wurde erneut analysiert, wie weinerlich und leidend die Popmusik geworden ist – nicht nur in Deutschland, sondern generell. Gerade junge Männer scheinen fast ausschließlich nur noch über ihr ach so schwieriges Leben und gescheiterte Beziehungen zu schwadronieren und kein anderes Thema zu kennen. Die Liebe funktioniert als musikalisches Grundgerüst aber auch einfach zu gut. Umso schöner, wenn es hin und wieder Bands gibt, die dem Ganzen neues Leben einhauchen und es aus einem anderen Winkel beleuchten; die Iserlohner Formation Elm Tree Circle macht es vor.

2012 rief Sänger und Gitarrist Niclas Steinkamp das Projekt ins Leben, damals noch als Singer/Songwriter. Mit einigen Neuzugängen an Bord erschien 2016 schließlich die Debüt-EP „Drawn“ und nun steht endlich auch das Debütalbum „The Good Life“ im Haus – der Titel so positiv wie die Zeilen melancholisch. Es ist ein Konzeptalbum rund um eine Trennung mit all ihren Eigenschaften und Phasen: Erst läuft die Beziehung nicht gut, dann kommt die Trennung, gefolgt von Verzweiflung, Übermut, der nächsten Verzweiflung und zum Ende, dem Realisieren, dass es doch okay ist. Bewusst so geschrieben, habe er es allerdings nicht, so Steinkamp. Die Songs seien in den jeweiligen Momenten entstanden, es sei einfach darauf hinausgelaufen.

Trotz des Schmerzes und aller Ehrlichkeit ist „The Good Life“ jedoch nicht zum sprichwörtlichen Salz in der Wunde geworden, das die gesamte Situation nur noch verschlimmert und die Welt verfluchen lässt, wenn man selber gerade eine solche durchlebt. Die fast durchweg flotten Pop-Punk-Melodien lassen vom textlichen Inhalt zunächst herzlich wenig ahnen und die Produktion sowie der markige, nasale Gesang erschweren das direkte Verstehen obendrein. Die Musik ist catchy, eingehend und tanzbar, auf Albumlänge zwar etwas gleichförmig, aber trotzdem ein wunderbarer Zeitvertreib, der Spaß macht.

„The Good Life“ ist kein klassisches Album über Liebe und Herzschmerz, geschrieben von einem verletzten Jüngling und vorgetragen mit kitschiger Zunge, die ihn – so seine Hoffnung – vielleicht direkt in die nächste Beziehung tragen wird. Die Songs sind ehrlich und verschweigen keinen Moment, an den man sich in Retrospektive lieber nicht erinnern oder zumindest etwas verschönern möchte, um besser dazustehen. So kann man es eben auch machen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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