Emma Ruth Rundle – On Dark Horses

Musikrichtung Americana, Rock
Redaktion
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Willkommen in der Welt des Halls, und alles Heil ihrer Königin: Emma Ruth Rundle singt aus den Reverb-Weiten zu ihren Untertanen herab. Oder vielleicht singt sie auch nur für sich selbst, so weit weg scheint sie da oben auf ihrem Thron. Flüstert Prophezeiungen, murmelt Beschwörungen, versinkt in Visionen – in sich gekehrt, nachdenklich, manchmal wie im Wahn, manchmal glasklar.

„…and if I ever manage to get out it’s all this waking world that drags me down“

Schon im Opener „Fever Dreams“ scheint Rundle immer außer Reichweite, wirkt entrückt, hypnotisiert – und wirkt ebenso hypnotisierend. Der namensgebende Traum ist atmosphärisch eingefangen mit ausladenden Schichten an weit entfernt Gitarren, einem sanft wummernden Bass, unerwarteten Akzenten des Schlagzeugs. Die unreale Atmosphäre setzt sich in den folgenden Songs fort und entfaltet einen traumwandlerischen Sog.

„a mouth full of Xanax and a hand full of time“

Acht ausladende Songs, verwoben durch ihre hypnotische Atmosphäre: Was sich auf „On Dark Horses“ fortsetzt, ist das Bandgefüge, das Rundle’s dunkles Reich um sie zimmert. Schlagzeug, Bass, Synthesizer und natürlich eine schwankende Mehrzahl an hallenden Gitarren erschaffen monumentale Klangwelten mit etwas Licht und noch viel mehr Schatten, ohne dabei Rundle in diesen zu stellen: Alleine wie noch auf „Some Heavy Ocean“ hört man sie nicht mehr, doch sie bleibt mit ihrer kräfigen, wandelbaren Stimme immer präsent. Und dennoch scheint sie unnahbar. Im Moment der Annäherung, einem Duett mit Evan Patterson, ihrem Gitarristen und Mann, rückt sie in „Light Song“ plötzlich in weite Ferne.

„And sometimes the night’s a prison, and sometimes a palace“

Die äußeren Kräfte auf „Marked For Death“ („Hand of God“, „Medusa“, „Furious Angel“) weichen auf „On Dark Horses“ den inneren Dämonen. Ihrer Schwester rät sie in einer Reise zurück in Kindheitsängste: „No more laying down, no more dragging out – it’s the darkhorse you give legs to, no one else can ride“. Das „dunkle Pferd“ ist das Pferd, auf das bei Rennen niemand setzt – und das manchmal doch alle Erwartungen übetrifft. Aber eben nur manchmal. Die Wetteinsätze des Lebens bleiben immer ungewiss. Die Ausbruchsversuche aus sich selbst und die Flucht nach innen bestimmen Rundle’s drittes Album, das zwischen hoffungsvollen, furchtlosen und ausweglosen, verzweifelten Momenten oszilliert.

Ist sie gefangen oder längst entkommen?

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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