Fall Out Boy – M A N I A

Album M A N I A
Musikrichtung Pop, Electro, Alternative
Redaktion
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Sie haben hart gearbeitet, sind um die ganze Welt getourt und trafen mit ihrer Musik genau den Zahn der Zeit: Fall Out Boy sind eine der erfolgreichsten Pop-Punk-Bands aller Zeiten. Beziehungsweise waren sie es, denn wenn sie inzwischen etwas nicht machen, dann Pop-Punk. Bereits auf ihren beiden vorherigen Alben „Save Rock’n’Roll“ und „American Beauty / American Psycho“ haben sich die Herren um Patrick Stump zunehmend der Pop-Musik gewidmet – modern und elektronisch, aber auf seine Art auch alternativ. Die Wurzeln der Chicagoer waren lediglich zu erkennen, wenn man von ihnen wusste. Ihr siebenter Longplayer „M A N I A“ treibt das Versteckspiel nun auf die Spitze – und wohl auch die Kritik.

Fall Out Boy seien nicht mehr das, was sie mal waren, wird es heißen. Sie seien schlecht geworden, uninspiriert und wollten vielleicht nur noch diejenigen ohne spezifischen Musikgeschmack ansprechen, damit sich das Album und die Band ja gut verkaufen und sie sich weiterhin keine Gedanken um ihre finanzielle Zukunft machen müssen. Mit genauso viel Kritik müsste sich das Quartett aber mit Sicherheit auch auseinandersetzen, wenn es über Jahre und Jahrzehnte wie der Schuster bei seinen Leisten geblieben wäre – siehe Simple Plan. Gänzlich aus dem Blauen kommt die Entwicklung dabei ebenfalls nicht, denn bereits in den vergangenen Jahre war ja deutlich abzusehen, in welche Richtung Pete Wentz und Co. gehen würden.

Auf „M A N I A“ geben sich die einstigen Pop-Punk-Ikonen elektronischer denn je. „Stay Frosty Royal Milk Tea“ läutet das Werk so mit harten Sounds ein, bei denen die neuen Lieblingselemente der vier Männer zwar bereits eine wichtige Rolle spielen, jedoch nicht in dem Maße wie befürchtet. Der Track ist laut, mächtig, beeindruckend – und hätte auf seine Weise auch von Bands aus dem Post-Hardcore-Bereich stammen können. Ganz im Gegensatz zu „The Last Of The Real Ones” und „Hold Me Tight Or Don’t, die die Herzen sämtlicher DJs, Clubgänger und Hobbytänzer beglücken sollten. Das elektronische Extrem ist allerdings „Young And Manace“: Vor allem im Refrain ist es unklar, ob dort wirklich noch Instrumente am Werk sind oder doch nur noch der Computer.

Aber nicht nur das Elektronische findet auf „M A N I A“ seinen Platz, auch vor anderen Stilen zeigen Fall Out Boy keine Scheu: „Heaven’s Gate“ tut sich als soulige Ballade hervor und bei „Sunshine Riptide“ treten Reggae-Anleihen zu Tage, bei denen man sich allerdings wirklich fragen dürfte, welchen Zweck dieser Unsinn denn nun erfüllen solle. Bei der Vielfalt ist „Bishop Knife Trick“ wegen des zurückgenommenen Midtempos zum Schluss aber schon arg unspektakulär. Generell passiert musikalisch jedoch so viel, dass kaum Zeit bleibt, auf den lyrischen Inhalt (soweit vorhanden) zu achten. Aller (Weiter-)Entwicklung im Sound zum Trotz sind sich die Herren dort nämlich treu geblieben. Es geht noch immer um Liebe und allerlei anderer Gefühlsausbrüche und Zeilen wie „I stop wearing black when they make a darker colour“ („Wilson (Expensive Mistakes)“) hätte die Band mit Sicherheit auch zu Zeiten von „Under The Cork Tree“ auspacken können.

Fall Out Boy werden mit „M A N I A“ genauso auf Granit beißen wie bereits mit „Save Rock And Roll“ und besonders „American Beauty / American Psycho“. Der Wunsch nach Veränderung und Entwicklung kann man den früheren Pop-Punkern natürlich nicht übel nehmen, doch werden diejenigen, die bei Hymnen wie „Sugar, We’re Goin Down“, „Dance Dance“ oder „Hum Hallelujah“ noch immer Herzklopfen bekommen, hier nur traurig mit dem Kopf schütteln. Die Band ist im Alternative-Elektro-Pop angekommen und macht ihren Job auch nicht schlecht. Schmecken wird dies aber gewiss nicht jedem.

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