Fever 333 – Strength In Numb333rs

Band Fever 333
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
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„There’s a motherfucking fever coming.“

Es ist diese Interviewsequenz in dem düsteren, zwischen elektronischem Brummeln und wütenden Protestgeräuschen wechselnden Intro, die gleich zu Beginn erahnen lässt, dass auf „Strength In Numb333rs“ Tacheles gesprochen wird – und Jason Aalon Butler seiner Linie des wütenden, aufgepeitschten Derwischs treu bleibt. Hinter dem Zaun gehalten mit seinen impulsiven Performances hatte der ehemalige Frontmann von Letlive. ohnehin noch nie. Egal ob im Studio oder live auf der Bühne. Da Letlive. aber nunmal nicht mehr sind, musste ein neues Ventil her, ein neuer Kanal für diese wilden Emotionen, die in ihm zu wüten scheinen.

Gefunden hat er ihn mit seiner neuen Band Fever 333, die er zusammen mit Gitarrist Stephen Harrison (ehemals The Chariot) und Schlagzeuger Aric Improta (Night Verses) gegründet und die unlängst ihr erstes Album „Strength In Numb333rs“ veröffentlicht hat. Einen kleinen Vorgeschmack lieferte die bereits im Frühjahr veröffentlichte Debüt-EP „Made in America“, die schon im Ansatz zeigte, mit welchem Kaliber von Protest-Band man es hier zu tun bekommen würde. Denn Fever 333 sprinten ohne Anlauf los und eröffnen mit dem vorab als Single veröffentlichten „Burn It“.

Bis zum Anschlag aufgepeitscht mit schierer Gewalt brennt sich der Song zwischen aufwallenden Instrumenten und brennenden Elektrobeats in kapitulierende Gehörgänge. Gegen falsche Versprechungen von Politikern („Got us pledging our allegiance to a hand that doesn’t feed us, preach.“) und eine Spaltung der Gesellschaft („We live behind the lines that they be keeping us inside.“). Ein Wunder, dass Fever 333 es doch noch schaffen sich nicht der blinden Wut, die sie losfeuern zu ergeben, sondern im richtigen Moment noch die Balance zwischen tollwütiger Barbarei und softem Pop-Appeal halten. Denn schnell zeigen sie auch ihre eingängige, melodiöse Seite. Aber eben nur so viel, dass die Wut nicht verblasst und die Songs ihrer Eindringlichkeit berauben würde.

Zugegeben, durch den mitreißenden Schmacht gewinnen die Songs natürlich auch an Ohrwurmcharakter. Frontmann Jason Aalon Butler fährt dabei seine komplette Bandbreite auf und wechselt immer wieder von wütendem Geschrei über cleanen Gesang hinzu enthusiastischen Rap-Parts. „Strength In Numb333rs“ wirkt dadurch zeitweise wie eine Zusammenkunft von jungen Linkin Park, Coheed and Cambria und Body Count, die sich auf ihre Geburtstagsparty noch Atari Teenage Riot und eine riesige Hüpfburg geholt haben.

Am besten verstehen lernt man dieses Album wohl durch „Inglewood/3“. Dem siebenminütigen, balladesken Herzstück der Platte, in dem von verträumter Ghetto-Romantik bis hin zum blanken, Zähne fletschenden Hass alle Höhen und Tiefen der Dramatik der Platte durchlaufen werden. Ein grandioses Stück Musik, dass alleine für sich stehend die volle Punktzahl verdient hätte. Es mischen sich aber auch einfältigere, dafür aber unverschämt eingängige Momente („Innocent“) auf „Strength In Numb333rs“.

„Sometimes you gotta burn it down to build it up again“

Fever 333 laufen Sturm, Sturm auf die Barriakden der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, die sie einreißen und zu Staub vertreten wollen. Mit „Strength In Numb333rs“ ist ihnen ein mitreißendes Debüt gelungen, dass zeitweise mit zuerst deplatziert anmutenden Balladen für Stirnrunzeln sorgt, mit jedem neuen Durchlauf aber seine ganze Brillanz zwischen all der Kraft und den Emotionen offenbart. Der neue Soundtrack für die Generation Protest.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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