Fiddlehead – Springtime and Blind

Band Fiddlehead
Musikrichtung Alternative, Rock, Indie
Redaktion
Lesermeinung
6

Die Besetzung von Fiddlehead liest sich wie das Who-Is-Who der Bostoner Hardcore-Szene: Pat Flynn (Have Heart, Free), Alex Henery (Basement), Casey Nealon (Youth Funeral, Glory), Alex Dow (Intent) und Shawn Costa (Have Heart, Verse). Aber nun genug Namedropping. Das hat das Debütalbum dieser Band nämlich bei Weitem nicht nötig.

„Springtime and Blind“ ist Alternative-Rock und Post-Hardcore in seiner besten Form, wie ihn Fugazi und Rites Of Spring in den 90ern nicht besser gemacht haben. Bereits mit ihrer „Out Of The Bloom“ EP bewiesen Fiddlehead im Herbst 2014 Auge und Ohr für die Ästhetik eben genannter Bands, die hier zwar deutlich zu hören ist, aber zu keiner Zeit abgekupfert oder gar geklaut wirkt. Besonders mit eingängigen Songs wie „Lay Low“ und „Widow In The Sunlight“ zeigen Fiddlehead, dass sie den altehrwürdigen Washingtoner Dischord-Sound in die Gegenwart katapultiert und ihm einen eigenen Anstrich verpasst haben.

Das gesamte Album dreht sich um den Tod von Flynns Vater, dessen Leben und Ableben besonders in „USMA“, „Poem You“ und „Tidal Wave“ thematisiert wird. Somit ist „Springtime and Blind“ eine Ansammlung der wohl persönlichsten Songs, die Pat Flynn seit „Songs To Scream At The Sun“ geschrieben hat. Eindrücklicher Beweis dafür ist das aufgezeichnete Gespräch mit Flynns Mutter in „4/17/70“.
In ihrer Gesamtheit aber sollen diese Songs Hoffnung geben. Hoffnung, dass es auch nach dem Verlust eines geliebten Menschen immer irgendwie weitergeht: „Let down by the hand of God, got nothing to hold. So I give you mine“ („Poem You“).

Erstaunlich ist, wie gut Pat Flynns Stimme auf „Springtime and Blind“ funktioniert. Dieser hat bei seinen anderen Projekten wie Have Heart, Free oder Sweet Jesus ja eher weniger feinfühlig in das Mikro gesungen. Ist Flynn also der Ian MacKaye der Gegenwart? Darüber sei an dieser Stelle nicht diskutiert, aber die Parallelen sind mehr als offensichtlich.

„Springtime and Blind“ ist ein Ausrufezeichen im noch jungen Musikjahr und macht deutlich, dass die Musiker hinter Fiddlehead mehr im Petto haben, als man es bei ihren Hauptprojekten vielleicht vermuten mag. Dennoch wird Fiddlehead wohl oder übel ein Nebenprojekt bleiben, von dem man in den vergangen drei Jahren kaum etwas gehört hat und das vielleicht nach 2018 wieder in der Versenkung verschwinden wird. Darum heisst es jetzt gut zu hören und hoffen, dass diese Band etwas länger durch den Musikkosmos schwirrt. Denn das, was Flynn, Henery und co. hier abliefern, mag zwar musikalisch nicht neu oder innovativ sein, aber es ist durch seine Thematik und Persönlichkeit umso ergreifender.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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