Field Medic – Fade Into the Dawn

Musikrichtung Folk, Country
Redaktion
Lesermeinung
6

Der amerikanische LoFi-Musiker Kevin Patrick Sullivan aka Field Medic ist auch auf seinem dritten Album eher mäßig gelaunt. „Fade into the dawn“ erzählt von den Tiefpunkten des Alltags.

„I don’t have a job & i’m always gone on tour yeah, I don’t even have a place of my own anymore, I’ve been eating taco bell & sleeping on the floor, I’ll be hungover for weeks when i turn up at her door (everydayz 2moro)“

Die Geschichten von Field Medic wirken persönlich und alltagsbiographisch. Dabei geht er durchaus schonungslos mit sich ins Gericht. Songtitel wie „everydayz 2moro“, die auch Namensgeber von geschmacklosen Instagram-Lifestyle-Profilen sein könnten, kann man wohl als ironische Brechung des sonst relativ traditionell anmuten Songwritings lesen.
Auffällig ist unmittelbar beim ersten Durchlauf, wie unterschiedlich die Songs klingen. Die Lieder für sich sind gar nicht so unterschiedlich, sondern ihre Produktion. Mal klingt Sullivan klar und natürlich („i used 2 be a romantic“), mal wie vom Grammophon abgespielt (songs r worthless now) oder auch elektronisch angehaucht („henna tattoo).

Der Einsatz des Drumcomputers erweist sich als Fluch und Segen. Er verleiht den oft etwas farblosen Songs einen gewissen Nachdruck, klingt aber in Songs wie „helps me forget“ wie ein lieblos aufgenommener Demo-Song, bei dem sich der Nachbarsjunge mit seinem Spielzeug-Keyboard das Schlagzeug simulieren durfte. Lediglich „henna tattoo“ entfacht eine spezielle Stimmung und wirkt nostalgisch und modern zugleich.

Generell fehlt insgesamt die Stringenz und der rote Faden. Das Album plätschert vor sich hin und traut sich in keine Richtung einzutauchen. Das ist besonders angesichts der zarten, aber ausdrucksstarken Stimme von Sullivan mit teilweise sensationellen Harmonien („hello moon“) bedauerlich. „Fade Into the Dawn“ fühlt sich an wie ein mittelmäßig verkaterter Sonntag. Man fühlt sich weder schlecht noch gut und schon am Montag hinterlässt dieser Tag keine Spuren mehr.

 

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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