Fights And Fires – Live Life Like A Tourist

Musikrichtung Punk, Rock'n'Roll
Redaktion
Lesermeinung
4

Fights And Fires scheinen gerne unterwegs zu sein, und so erscheint ihr neues Album unter dem markanten Titel „Live Life Like A Tourist“. Mit ihrer Mischung aus Punk und Rock’n’Roll wollen die Jungs aus Worcester jetzt auch auf dem Festland Fuß fassen. Ob ihnen das gelingt, lest ihr hier.

Mit manchen Alben verhält es sich wie mit ersten Festivalbesuchen: Gestaltet sich der Anfang noch euphorisch und glitzert die Welt noch in allen Farben, steht man am Ende oft in einer wüsten, kargen Landschaft, die Füße schmerzen, der Körper ächzt und man möchte eigentlich nur noch die letzten Stunden bis zur heimischen Dusche und dem vertrauten Bett einigermaßen gut überstehen. Wer anfangs das Spaßbarometer zu sehr in die Höhe schießen lässt, endet halt nicht selten in einem unkontrollierbaren Rausch – mit bösem anschließenden Kater.

Ganz ähnlich verhält es sich mit „Live Life Like A Tourist“. Fights And Fires legen ungestüm los. Der Opener „Reggae“ zielt mit drängenden, schroffen Rock-Riffs direkt in die Magengrube. Die Jungs aus den West Midlands Englands sind auf Krawall gebürstet und lassen wenig Zweifel an ihrem unbändigen Willen, hier richtig was in Schutt und Asche zu legen. Das darauffolgenden „Church Bells“ ist dann ein melodischer Gruß an Fans von A Wilhelm Scream und Hot Water Music, wobei Frontmann Philip hier im Gegensatz zu seinen singenden Genrekollegen deutlich ins Hintertreffen gerät. Sein Organ scheint sich nur mit Mühe gegen die Soundwand behaupten zu können, was stellenweise in gepressten Gesangsversuchen endet, die mehr irritieren als erfreuen. Ab dem dritten Song „Awkward“ bewegt sich „Live Life Like A Tourist“ dann immer weiter Richtung Durchschnitt. Die Songs plätschern zwischen poppigem Punkrock und rifflastigem Rock dahin ohne weitere Höhepunkte zu erreichen. Ein wenig mehr Abwechslung oder Raffinesse hätte hier wirklich gut getan.

So sehnt man sich (eben wie nach einem durchzechten Festival) das Ende nahezu herbei. Das ist mit der Ballade „Ouija Board“, die das knapp sechsundzwanzigminütige „Live Life Like A Tourist“ ausklingen lässt, dann auch erreicht. Eine Zugabe gibt’s keine. Manche werden sich drüber freuen – anderen wird’s mit Sicherheit trotzdem gefallen. So bleibt „Live Life Like A Tourist“ ganz klar eine Frage des Geschmacks, der (zum Glück) nicht bei jedem gleich ist.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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