Foals – Holy Fire

Album Holy Fire
Band Foals
Label Warner
Musikrichtung Indie, Pop, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
5

Wie viele Alben gibt es die nur wegen einem Song den Weg auf den Plattenteller finden? Unzählige. Die leidige Geschichte der One-Hit-Wonder findet darin meist ihren Wendepunkt. In diesem ungastlichen Zusammenhang nun die Foals zu nennen grenzt an Majestätsbeleidigung, doch könnte Holy Fire ein ähnliches Problem bekommen – „Inhaler“.

Die knapp vier Minuten bergen mit ihrer flimmernden Intensität und den wohlfeilen Mathrockausbrüchen mehr Power als so manch einer auf eine fullength gepresst bekommt; nur ist es nicht mehr als eine geniale Momentaufnahme, denn „Holy Fire“ schlägt andere Töne an: Oxford wird erwachsen!
Foals geben sich 2013 erhabener, intimer und ja, auch poppiger als man es von den Virtuosen gewohnt war. Doch selbst Cassiusüberfans dürfte ein „Late Night“ schnell beschwichtigen. Wenn da Phillipakis gequält „oh no mama do you hear me, calling out your name?“ fleht und dazu eine hypnotisierende Basslinie über dem Piano wummert, ist die schlichte Schönheit einfach zu perfekt. Dass der Song mit urtypischen Gefrickel ausklingt spricht Bände ob der Grundhaltung des Albums: Gewollte Mainstreamnähe ohne ansatzweise austauschbar werden!
„Providence“ spielt die gleiche Karte mit deutlich mehr Schwung oder eben Urtrieb („i’m an animal just like you“) aus. Ähnlich wie die Maccabees auf ihrer jüngsten Abkehr vom verschrobenen Indie-Image, übermannt einen das Quintett hier mit der geballten urbanen Klangvielfalt. So auch in „Milk & Black Spiders“, nur dass jenem das Tier ausgetrieben wurde „‚cause I’ve been around two times and found that you’re my only friend indeed!“ Weil „Holy Fire“ aber vielschichtig wie dieser Band eben würdig ist, hat es auch ein „My Number“ im Gepäck. Eine aufgeweckte Popnummer, die das Tanzbein zucken lässt und gleichzeitig vor Selbstbewusstsein nur so strotzt: „people of the city, i don’t need your counsel now , cause i feel alive!“ Solche Sätze gehen freilich leicht über die Lippen, wenn man vom Feuilleton ebenso vergöttert wird wie von der Bravo.

Liefert man ein Album wie dieses ab, wäre allzugroße Bescheidenheit nun aber auch bloße Augenwischerei gewesen, denn an dessen Klasse ändert auch der etwas zu gemächliche Abgang („Stepson“, „Moon“) nichts. Die Herausforderung besteht nur darin „Holy Fire“ die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken damit alle wohlplatzierten Feinheiten zünden können. Wer das nicht vermag, bleibt bei „Inhaler“ stehen und wird sich wahrscheinlich trotzdem verdammt glücklich schätzen, ist er sich ja auch nicht bewusst, was ihm da Famoses durch die Lappen geht!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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