Forkupines – Here, Away From

Band Forkupines
Musikrichtung Alternative, Emo, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Viereinhalb Jahre gibt es Forkupines bereits – zumindest in dieser Konstellation, aber für Sänger und Gitarrist Simon Skott macht das kaum einen Unterschied. Nachdem das Braunschweiger Emo- und Post-Hardcore-Trio nur wenige Monate nach dem Einstieg von Schlagzeuger Christian Ermisch im Frühjahr 2013 ihre EP „Rearrange“ in Eigenregie veröffentlicht hat, folgten im August 2014 mit „Untitled“ zwei weitere Songs und im Oktober 2015 die nächste EP „Yet The Same“. Mit „Here, Away From“ steht nun endlich das lang erwartete Debütalbum in den Startlöchern – auf dem die Band nicht nur frischer, sondern vor allem ehrlicher denn je klingt.

Musikalisch wie textlich sind die elf Tracks der Songsammlung offensichtlich im selben Zeitraum entstanden. „Here, Away From“ handelt von dem Ende einer Beziehung, ist dabei aber mitnichten übertrieben kitschig oder traurig, wodurch man als Hörer auch glücklicherweise weder dazu verleitet wird, Dutzende Taschentücher vollzuweinen, noch sich die letzte Kugel zu geben. „Here, Away From“ ist der klare Blick auf etwas, das mal sehr gut war, mit der Zeit allerdings weniger gut wurde. Ohne naive Beschönigungen lässt man die vergangenen Jahre Revue passieren.

We were the perfect match that’s why we burned out“ – bereits im hittigen Opener „A Perfect Match” und dem darauffolgenden machtvollen „Crows“ wird klar, wohin der Hase läuft. Das scheinbar letzte Wort an die Ex soll ehrlich und kompromisslos sein, ohne dabei zu keiner Zeit die Fairness zu verlieren. Musikalisch wirkt das Ganze dagegen zum größten Teil wie der sprichwörtliche Schlag ins Gesicht. Starke, markante Gitarrenriffs mit genau der richtigen Portion Härte, dahinpreschende Drums, die allerdings nur zu gut wissen, wann weniger mehr sein kann, und der ohnehin zu jeder Zeit so präsente und drückende Bass, der die Grundstimmung kaum ignorieren lässt. Düster, etwas traurig, aber dennoch positiv. Eben das Gefühl, wenn man gerade beginnt, mit etwas abzuschließen und dies auch zu akzeptieren.

Ebenso wie sich auf „Here, Away From“ in typischer Forkupines-Manier Cleangesang und Geschrei dieselbe Bühne teilen und nicht selten einen Song bereits beim ersten Durchlauf auf gleich zwei Arten darstellen, gelingt dies auf gesamter Albumlänge besonders mit dem Spiel zwischen Laut und Leise. Bekommen „Put Me Through“ und „Everything I’ve Become“ dadurch schon eine schizophrene Note, ist „One By One” wohl einer der dynamischsten Songs des Full Length-Werkes und hätte als solcher sicherlich auch akustisch hervorragend funktioniert. Zu interessant wäre es außerdem zu sehen, wie besonders die letzte Minute auf einer Akustik-Gitarre klingt – wenn alles aufbricht, sich die aufgestaute Energie entlädt und Skott zu schreien beginnt: „I wanted to cry but I couldn’t, you wanted to leave but you wouldn’t, so I sat here by myself. You wanted to cry but you wouldn’t, I wanted to leave but I couldn’t, so I sat here by myself.

Durch die Übermacht des immer wieder abgewandelten starken, post-hardcore-igen Emos – während „By The Sea“ mit seiner fetten Produktion in dieselbe Kategorie wie „A Perfect Match“ fällt, überzeugt „Paper Towns“ vor allem mit seinem poppigen Charakter und der großartigen Zeile „I loved you so, for what I can’t remember and I don’t know if this will last forever“ – kommt „Stay The Night“ so nur noch ruhiger daher. Freilich zeigt die Ballade aber vor allem durch ihre härteren Parts auf, dass auch genau dort die Stärke der drei Braunschweiger liegt. Schlussendlich ist es aber wohl „Crossed, Gates And Debt“, der neben Biffy Clyro (nur weniger radiotauglich) noch eine andere Referenz-Band ins Spiel bringt: Die Teenie-Emo-Helden Paramore. Dank Jens Kaufmanns Enthusiasmus sind Forkupines nur erheblich basslastiger. Der Mann am Mikro ist der andere Unterschied.

Viereinhalb Jahre nach mehr-oder-weniger-Gründung ist für das Forkupines-Trio endlich die Zeit des Debütalbums gekommen. Klingt der erste Langspieler bei den meisten Bands wie eine Ansammlung der Songs, die sie seit ihren Anfangstagen auf diese oder jene Art begleiten, zeigt sich bei „Here, Away From“ ein hörbares Konzept. Eines, das man aufsogen, aber nicht weniger leicht auch einfach ignorieren kann. Die elf Tracks funktionieren alleine ebenso gut wie als Album – und klingen eher nach dem Output einer bereits gereiften Band als nach einem Debüt.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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