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Fotos – Porzellan
17.09.2010 | Autor: Patrick Siegmann | Schreibe einen Kommentar | 584 Klicks

Fotos - PorzellanFotos aus Hamburg sind eine der herausragendsten deutschen Indie-Bands in den letzten Jahren gewesen. Ihr selbstbetiteltes Debüt-Album schlug 2006 ein wie eine Bombe und wurde von Kritikern verschiedenster Magazine nahezu vergöttert. Auch der 2008 erschienene Nachfolger „Nach dem Goldrausch“ wurde nicht minder gelobt.


Mit dem dritten Album „Porzellan“ folgt nun ein radikaler Umbruch: Fotos haben dem Majorlabel EMI den Rücken zugekehrt, sind auf dem kleinen Berliner Indie-Label Snowhite untergekommen und auch ihre Musik ist nun längst nicht mehr so massenkompatibel, wie es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Die Zeiten in denen die Band „Remmidemmi“ von Deichkind coverte oder bei Stefan Raab auftrat sind nun also scheinbar vorbei. „Alles schreit“ heißt der Opener auf „Porzellan“ und schon die ersten gehauchten, fast weinerlich anmutenden Töne von Sänger Tom die einem hier ins Ohr springen, klingen alles andere als nach dem, was Fotos bisher gemacht haben. „Kein Glitter und kein Glanz scheint mir erstrebenswert. Ist nur Flitter, ist nur Ramsch der ständig an mir zerrt.“ Diese Zeilen, begleitet von verzerrten, aber keineswegs poppigen, sondern ehr düster anmutenden Gitarrenklängen verbreiten nicht gerade eine Stimmung, wie sie auf den bisherigen Veröffentlichungen der Band anzutreffen war. Auch „Nacht“ wirkt zuerst nicht gerade positiv, gesäumt mit Worten wie Tod, Blut oder Gift. Hört man aber genauer auf den Text, so entwickelt sich der Song zu einer Liebeserklärung an die dunkle Zeit des Tages. Das nur knapp zweiminütige „Wasted“ klingt noch so, als würde der Song aus den Zeiten von „Nach dem Goldrausch“ stammen. Gesäumt von weiblichen Vocals wirkt der Track erfrischend anders zwischen Stücken wie „Mauer“ oder „Feuer“, welche die düstere Stimmung der vorherigen Minuten fortsetzen und sich dabei oft elektronischen Klängen bedienen. Auch „Angst“ widmet sich wie „Wasted“ noch dem alten Sound, welchen Fotos aber sonst auf „Porzellan“ komplett außen vor lassen und wirkt dabei extrem tanzbar. Gegen Ende nimmt sich „Raben“ den Opener „Alles schreit“ zum Vorbild, arbeitet mit vielen hymnenhaften Parts sowie toller instrumentaler Untermalung und auch das abschließende „Wellen“ weiß durchweg zu gefallen und verpasst so dem Album einen tollen Ausklang. Das dritte Werk von Fotos ist ein düsteres Stück Musik geworden, übertrifft lyrisch aber alles, was die Band bisher fabriziert hat. „Ich bin ein Thomas und kein Thomas Mann“ hieß es in „Nach dem Goldrausch“ anno 2008. Zwar ist Frontmann Tom immer noch kein Thomas Mann, aber ein wahrlich großer Lyriker und Poet in der deutschsprachigen Musiklandschaft. Die Band ist mit „Porzellan“ ein großes Risiko eingegangen, sie hat fast gänzlich ihren alten Stil hinter sich gelassen und klingt nun melancholischer den je. Von dem Indie-Pop/Rock der oftmals nach Bloc Party oder Vampire Weekend klang ist wenig übrig, mehr bekommt man nun eine Mischung aus Joy Division und My Bloody Valentine geboten, die aber nicht weniger authentisch klingt wie es frühere Stücke der Band, beispielsweise „Viele“ oder „Serenaden“ tun. Fotos haben sich weiterentwickelt und gleichzeitig neuerfunden, ob der neue Weg den die Band beschreitet auch bei den Fans gut ankommen wird, werden die kommenden Monate zeigen. Was aber feststeht ist, dass „Porzellan“ eines der gewagtesten, aber auch detailverliebtesten und klangtechnisch schönsten Releases ist, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.

Fotos
Fotos ist eine Rockband, deren Mitglieder aus Hamburg und Köln stammen. Die Gruppe zeichnet sich durch von britischem indierock inspirierten Sound in Verbindung mit deutschen Texten aus. Durch die Themen und die Haltung ihrer Texte sind sie dem Genre deutschrock zuzuordnen. Die Gruppe besteht aus Thomas Hessler (Gitarre, Gesang), Deniz Erarslan (Gitarre), Frieder Weiss (Bass) und Benedikt Schnermann (Schlagzeug).

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Bewertung
Lesermeinung:
UnerträglichGrauenhaftFast UnhörbarDurchschnittGutGroßartigPerfektMeisterwerk
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Redaktion: ★★★★★★★☆ 
Bandinfo
Band:
Fotos
Album:
Porzellan
Musikrichtung:
Indie-Pop
Label:
Snowhite
Website:
www.myspace.com/fotosmusik>www.myspace.com/fotosmusik
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