Freiburg – Aufbruch

Album Aufbruch
Band Freiburg
Musikrichtung (Emo)Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

Deutsch ist eine harte Sprache. Das muss nichts Schlechtes sein, zahllose literarische Wunderwerke durch alle Epochen sind da ein ziemlich klares Statement. Doch auch in der Musik hat es sein Gutes. So ist jüngst selbst „Der Zeit“ aufgefallen, was Turbostaat, Captain Planet und Konsorten mit unsere Sprache Großes anstellen, denn bei Punk muss es nicht hochmelodiös sein. Es darf kratzen, beißen, schief klingen und all das kann Deutsch verdammt gut! Wenn dann noch Talent für’s Texten vorhanden ist, sind wir wieder bei den schon Gepriesenen oder eben bei Freiburg! Die jungen Wilden aus Ostwestfalen in einem Atemzug mit Genregrößen. Das ist mutig und wohl auch zu früh, aber ihr „Aufbruch“ präsentiert sich als beachtlicher Fingerzeig.

Es sind diese verworrenen Stadtgeschichten zwischen Selbstsuche, Verzweiflung und Hass auf die unheile Welt, die den Emopunk so attraktiv machen. Freiburg kleiden sie in ein kompromissloses Gewand. Eine Idee Pop ist schon da, aber das Drumherum viel zu rau um sie groß zum Tragen kommen zu lassen. Die unstillbare Unruhe wie im besonders hysterischen „Wie Du So Lebst“ ist der Hauptgrund warum die Platte mitzureißen weiß. „bist du dir sicher ob es richtig ist wie du da lebst?“ Wenn sich Tom & Jonas förmlich gegenseitig anschreien und sich der Kreisel immer schneller dreht, ist ihre Wut greifbar.
Um nicht allzu sehr nach den großen Schatten zu klingen, tun die Jungs gut daran, immer mal wieder dezent unkonventionell zu werden wie in „Mit Zementschuhen auf dem Boulevard“ – hektische Drums, kurz Luftholen und wieder voll drauf auf die Gesellschaft! Verdient hat sie’s allemal. Mittlerweile müßige Pflicht in Sachen Zeitgeistkritik ist leider ein Song der Marke „Kurzmitteilung“. „die pixel auf dem display meines handys lassen mich wissen, dass ihr mich liebt. wow, wie persönlich!“ ist da immerhin originell. Das Highlight auch dieses Songs ist eh wieder das Ende – Freiburg klingen voll in Rage einfach am besten. Da dies in konstanter Regelmäßigkeit der Fall ist, schließen sich große Fehlgriffe per se schonmal aus. Zum Glück, denn wer zu früh die Segel streicht, verpasst den heimlichen Star der Platte: „Er und die Meute“, das lyrische Sahnehäubchen zum Schluß.

Inwieweit „Aufbruch“ nun mehr als Albumtitel und Steilvorlage für Schreiberlinge ist, bleibt abzuwarten. Die Platte guten Gewissens allen Genreliebhabern ans Herz legen ist jetzt schon drin und vielleicht, ja vielleicht verirrt sich ja auch der ein oder andere Quereinsteiger. Er könnte nur gewinnen.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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