Fucked Up – David Comes To Life

Band Fucked Up
Musikrichtung Hardcore, Punk, Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

“Exactly. We’d put out only singles for so long. An LP needed to be its own thing. I can name, like, 30,000 great punk singles, but as far as classic LPs? A couple dozen, maybe.“

Dieser Antwort von Damian „Pink Eyes“ Abraham war die Frage „A solid album is a rare beast, whereas an EP can easily show a good band at its conceptual best.” eines Reporters des AVC vorausgegangen, der Abraham 2008 zu “The Chemistry of Common Life” befragt hatte. Mit was für einer Wucht dieses Album damals eingeschlagen war, muss hier wohl nicht erwähnt werden. Warum also bevorzugte es die Band eigentlich Kleinformate zu veröffentlichen? Klar, Singles haben viele Vorteile. Sie überfordern den Hörer nicht, neue Ideen können den Fans schnell zugänglich gemacht werden und außerdem muss man nicht immer warten bis genug Songs für ein neues Album zusammen gekommen sind. Aber knapp drei Jahre nach „The Cemistry Of Common Life“ erscheint am 6. Juni ein neues Fucked Up Album und das hat es so in sich, dass man Mister Abraham gerne noch mal fragen würde, warum denn Singles nun die bessere Art der Veröffentlichung sein sollen.

Die Combo hält noch immer daran fest, die Grenzen des Mediums Punkalbum auszuloten. Bei Fucked Up gilt nun mal „entweder ganz oder gar nicht“. „Hidden World“ beeindruckte schon mit seinen 13 Songs in 73 Minuten. Die neuste Scheibe fällt mit 18 Songs in knapp 70 Minuten kaum minder üppig aus. Wenn schon ein Album, dann muss es schon ein Koloss werden. Doch damit noch nicht genug. „David Comes To Life“ ist wohl die erste Platte der Welt, die sich als Hardcore-Oper bezeichnen darf.

Fucked Up verstehen es wie keine andere Band Punk, Hardcore und Psychedelic Elemente zu einer einzigartigen Mischung zu verschmelzen. Die neue Platte ist noch eingängiger geworden als der Vorgänger, wobei man nach Zwei-Minuten-Punk-Songs aber wieder vergeblich sucht. Hardcore-Lieder jenseits der Fünfminutengrenze ist man von Fucked Up schließlich bereits gewohnt. Rastlose Schlagzeugrhythmen und drei Gitarren die für hypnotische und zugleich mitreißende Melodien sorgen, machen „David Comes To Life“ zu einem wahren Geniestreich. Das Werk scheint beim ersten Eindruck recht simpel, aber die Ausnahmekünstler aus Toronto lassen immer wieder Raffinessen einfließen, die ihresgleichen suchen. Und um ehrlich zu sein, wenn Songs so klingen, als würden sie jeden Moment die Wolkendecke am Himmel aufbrechen, damit die Sonne hervorkommt, müssen diese wirklich nicht kompliziert komponiert sein. Aber die Band schafft es doch immer wieder sich selbst zu übertreffen. Wenn es ein Songs wie „One More Night“ schafft, so viele Gefühle auf einmal zu transportieren, dann hat das Anerkennung verdient. Über das Niveau braucht man sich hier überhaupt nicht zu streiten. Fucked Up spielen einfach in einer komplett eigenen Liga.

Auch für die Story haben sich die Damen und Herren etwas Besonderes einfallen lassen. In vier Akten erzählt Damian, mit seiner wohlbekannten heißeren Stimme, das Leben von David. Dabei überschlägt er sich in manchen Songs wie dem treibenden „Serve me right“ nahezu und lässt sich immer wieder von weiblichen Vocals unterstützen. Die Story könnte glatt ein Reclam Heftchen füllen. David lernt Veronica kennen und mit ihr beginnt die Veränderung in seinem Leben. Sie verlieben sich und werden ein Paar. Doch wie so oft im Leben bleibt es nicht bei dieser Idylle. David muss schwere Schicksalsschläge hinnehmen und hat immer öfter mit sich Selbst zu kämpfen. Selten lagen Liebe, Schmerz, Glück, Verlust, Hoffnung und Wut so nahe beieinander wie hier. Auf der einen Seite Zeilen wie „I feel the nail against my skin, wait for the hammer to drive it in.” aus “The Other Shoe” und “I’ll be a seed in your heart, I’ll be with you when you start, to turn and hum again, I’ll be a part of your love.“ aus “One More Night” auf der Anderen, zeigen wie Komplex dieses Werk über Leben und Tod geworden ist.

Fucked Up haben bei ihrer vermeintlich puristischen Hardcore-Oper mal wieder alles richtig gemacht und eine Platte geschaffen die keinen Anfang und kein Ende kennt. Die ersten und letzten Klänge der Platte sind identisch und lassen die Platte im Loop einfach nahtlos weiterlaufen, was sich wunderbar mit der Story ergänzt. Damian Abraham meinte es ernst, als er sagte, dass ein Album eine Sache für sich ist. Für dieses Album haben sich Fucked Up wirklich ins Zeug gelegt. Der rote Faden zieht sich durch das komplette neue Werk und die Songs fließen nur so ineinander über. Achtzehn ausschweifende, vereinnahmende Lieder wie aus einem Guss. Es macht einfach Spaß, wenn man einem Album anhört, dass sich die Band so viele Gedanken gemacht hat. Was bleibt da noch zu sagen, außer: Willkommen David! Schön, dass Du hier bist!

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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