Full Of Hell – Weeping Choir

Musikrichtung Grindcore
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Sommer, Sonne, Badespaß? Nicht mit Full Of Hell. Auf ihrem neuen Album „Weeping Choir“ regiert eine Dunkelheit, in die sich nicht der stärkste Lichtstrahl verirrt. Ein mehr als zwanzig minütiges Stahlbad, dass klaffende Wunden und gebrochene Seelen zurücklassen dürfte.

Es ist verwunderlich, wie eine Band trotz so viele Kooperationen mit anderen Bands, wie es bei Full Of Hell der Fall ist, noch immer genug Luft für die eigenen Songs hat. Und eben diese Luft dürfte vielen Hörern beim Sound des neuen Albums weg bleiben. Denn das Debüt auf Relapse Records bieten von der ersten Sekunde genau das an, was man von Full Of Hell erwartet.

Denn der Name ist hier Programm: Die Grindcore-Bestien aus Maryland lassen einen weinenden Chor antreten, dem sie auf kompletter Albumlänge unermüdlich weiter einheizen, ohne auch nur einmal eine Verschnaufpause einzulegen. Peitschende Riffs, rasselndes Gekeife und ein druckvoll gespieltes Schlagzeug prägen die elf Songs auf „Weeping Choir“. Der Mix aus Grindcore, Punk, Hardcore und den schwärzesten Spielereien des Metals dürfte geneigte Melodieliebhaber allerdings bis zur kompletten Verzweiflung überfordern – und selbst hartgesottenen Metallern die ein oder andere Schweißperle auf die Stirn treiben.

Was in dem Gewirr aus Gewalt und Brutalität beinahe untergeht ist, dass sich die Amis weiter in Richtung Death Metal bewegen. Und damit ja keine Langeweile aufkommt – als ob das hier passieren könnte – werden die Martyrien mit elektronischen Facetten untermalt oder wie in „Aria Of Jeweled Tears“ mit trommelnden Maschinengewehrsalven. Den passenden Sound schneiderte kein Geringerer als Kurt Ballou den Songs auf den Leib.

Laut, dreckig und gemein ist wohl eine treffende Beschreibung für das Martyrium, das auf „Weeping Choir“ losgetreten wird. Ein schwarzweißer Rosenstrauß mit eisernen Dornen aus Tod, Verdammnis und jeder Menge Schadenfreude, wenn sich bei dem älteren Pärchen neben einem die Sorgenfalten noch tiefer in die Stirn zeichnen. Und wenn sich die Soundwände auf „Weeping Choir“ beim nächsten Durchlauf auftürmen ist schnell klar, dass diese Rosen kein Licht brauchen.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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