Fury – Failed Entertainment

Band Fury
Musikrichtung Hardcore Punk
Redaktion
Lesermeinung
8

Fury sind nicht nur allein in den letzten Jahren einige Male durch Europa und sogar Japan getourt, sondern wurden auch vom legendären Thrasher Skateboard Magazine in einer aktuellen Ausgabe interviewt. Nicht zuletzt hat die Band mit „Paramount“ 2016 ein Album veröffentlicht, welches wie kein Zweites in den letzten Jahren die Hardcore-Szene nachhaltig beeinflusst hat. Eine Ausnahmeband? Vielleicht. Immerhin sind Fury auch noch die erste und einzige Hardcore-Band, die es auf Run For Cover Records geschafft hat. Hardcore Punk auf einem Label, das für Bands wie Modern Baseball oder Citizen bekannt ist? So abwegig ist das gar nicht, hört man sich „Failed Entertainment“, den neuen und zweiten Longplayer der kalifornischen Band aus dem Orange County an.

„Failed Entertainment“ ist deutlich melodischer und feinfühliger als sein Vorgänger „Paramount“. Zwar bleiben Fury fest im Hardcore Punk verankert, was vor allem der Opener „Angels Of Berlin“ und das nachfolgende „Goodtime“ deutlich machen, dennoch scheut die Band keine Experimente und verzichtet fast gänzlich auf puristische, aggressive Hardcore-Songs. So klingt das Schlagzeugintro in „Birds Of Paradise“ fast nach Stadionrock und das Tamburin sowie die cleanen Vocals im abschließenden „Crazy Horses Run Free“ irgendwie nach den großen Britpophelden Oasis. Dass also jemand das Video zu „Vacation“ bei Youtube mit „Oasiscore“ betitelte, scheint gar nicht so abwegig.
Produziert wurde dieser astreine, teilweise an die 90er Jahre angelehnte Sound von keinem Geringeren als Nick Endino, Hausproduzent des Seattler Kult-Labels Sub Pop und dementsprechend legendärer Alben von Nirvana und Soundgarden.

Trotz neuen musikalischen Nuancen bleiben sich Fury im Gesamtbild des Albums aber treu: Auch auf „Failed Entertainment“ wird Hardcore Punk geboten, der an Bands wie Outspoken, Snapcase oder Turning Point erinnert, und so mal äußerst melodisch („New Years Day“), mal treibend moshig inklusive Sing-a-long-Potential („America“) daherkommt. Passend dazu hat sich die Band zwei hochkarätige Gastauftritte aus der Szene eingeladen: Andrew Peden von Mil-Spec steuert seine Stimme in „Goodtime“ bei, während Andy Norton von Praise im Refrain von „Vacation“ zu hören ist.

Lyrisch bewegt sich die Band, wie man es bereits von ihrem Debüt „Paramount“ gewohnt ist, auf eher poetischem Grund: Die Texte von Sänger Jeremy Sith sind hörbar an seine Idole Donald DeLillo, John Barth und Kurt Vonnegut angelehnt, die allesamt zu einflussreichen Schriftstellern der us-amerikanischen Gegenwartsliteratur zählen. Nicht umsonst ist „Lost In The Funhouse“ nach einem Buch aus der Feder Barths benannt und setzt sich kritisch mit der gegenwärtigen amerikanischen Jugend auseinander. Eine weitere Popkulturrefrenz findet sich außerdem im Opener „Angels Over Berlin“: Dieser ist inspiriert von Wim Wenders’ 1987 veröffentlichten Film Himmel über Berlin und spiegelt dessen poesievolle Liebeserklärung an das Leben wider.

Mit „Paramount“ haben Fury im Sommer 2016 den Grundstein für ihren Erfolg gelegt. Diesen bauen sie nun, rund drei Jahre später, mit „Failed Entertainment“ weiter aus. Auch wenn ihr neues Album deutlich weniger nach klassischem Hardcore Punk klingt als sein Vorgänger, so bleiben Fury doch eine der momentan besten Bands des Genres. „Failed Entertainment“ bietet Popkultur, Gesellschaftskritik und Hardcore Punk in knapp 30 Minuten, die gewiss keine gescheiterte Unterhaltung oder gar vergeudete Zeit sind.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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