Goldfinger – The Knife

Album The Knife
Band Goldfinger
Label Rise Records
Musikrichtung Pop-Punk, Punk
Redaktion
Lesermeinung
4

Wer sich ein bisschen mit der Geschichte und Entwicklung von Ska-Punk beschäftigt, der stolpert früher oder später auch über Goldfinger. Sie haben ganz besonders Mitte der 90er von sich Reden gemacht, waren mitverantwortlich für die dritte Welle und der Kommerzialisierung ebendieser Musik und konnten bis 2008 sechs Langspieler auf ihrer Habenseite verzeichnen. Neun Jahre nach „Hello Destiny…“ ist von der Besetzung nur noch Gründungsmitglied John Feldmann geblieben, doch mit Unterstützung von Phil Sneed (Story Of The Year), Mike Herrera (MXPX) und Travis Barker (Blink-182) konnte er seinen jahrelang gehegten Traum von Album Nummer sieben nun endlich in die Tat umsetzen. Wüsste man all dies nicht und wäre obendrein nicht in der Lage, Google zu benutzen, könnte man allerdings leicht denken, Goldfinger wären US-Amerikas nächster Pop-Punk-Export, dessen Mitglieder noch immer in den 90ern lebten und sich Blink-182 als große Vorbilder auserkoren hätten.

Zum einen wäre da nämlich der Gesang. Der Beweis, dass Feldmann der perfekte Ersatz oder sogar Nachfolger wäre, sollte Mark Hoppus irgendwann die Segel streichen wollen. Doch ebenso musikalisch könnte „The Knife“ der nächste Output unter der Blink-Flagge sein – vielleicht mit Ausnahme der Ska-Elemente. Ebendiese sind es schließlich, die Klarheit schaffen und zeigen, dass hier nicht das Pop-Punk-Heroen-Trio am Werk ist. Zumindest niemand außer Travis Barker. Und Mark Hoppus, der bei „See You Around“ seine Stimme als Gast-Feature erklingen lässt. Und eigentlich auch Produzent Zakk Cervini, der in seiner Vita neben Stick To Your Guns und Sleeping With Sirens auch – oh Überraschung – Blink-182 verzeichnen kann. Goldfinger hat er nun zu einem ähnlich glatt produzierten Longplayer verholfen.

Tatsache ist aber ebenso, dass „The Knife“ nicht durchweg schlecht ist. Pop-Punk-Fans werden daran genauso ihre Freude haben, wie Ska-Anhänger – ob sie nun gerade die aktuellen Blink mögen oder nicht. Ist die erste Single „Put The Knife Away“ indiskutabel guter Pop-Punk mit kleinen Variationen, melodisch, „süß“, aber dennoch nicht nervig, nehmen bei „Tijuana Sunrise“ Reggae und Ska die dominierenden Rollen ein. „A Million Miles“ kann dagegen gleich mit beidem dienen – ebenso wie „Say It Out Loud“, wo die Übergänge zwischen den Genre so fließend sind, dass man sie mitunter erst nach Sekunden bemerkt. „See You Around“ ist kurz darauf aufgrund des Features mit Hoppus zwar die Spitze des Blink-182-Eisberges, aber trotzdem einer der stärksten Tracks des Albums. Ganz genauso wie „Beacon“, der zwar wie (fast) alles Andere, was „The Knife“ zu bieten hat, von seinen Melodien lebt, aber trotzdem vergleichsweise kratzig klingt.

Den beinahe unvermeidlichen Schuss in den Ofen hält das Album dennoch bereit – wenn auch erst am Ende. „Milla“, die Ballade des Werkes, bei der man spätestens bei der sich immer wieder wiederholenden Zeile „you’re my little baby girl“ insgeheim darüber nachdenkt, ob es tatsächlich eine Frau gibt, die sich über so einen Song freuen würde. Oder es begrüßt, in dieser Weise angesungen zu werden. Purer Kitsch von der schlechteren Sorte, der „The Knife“ leider sehr schwach enden lässt.

Würde man Goldfinger erst mit ihrer siebenten Platte auf den Schirm bekommen, man würde darauf wetten, man hörte Hoppus, Skiba und Barker auf einem Ausflug in den Ska. Doch selbst anno 2017 und trotz erheblicher Blink-verwandter Unterstützung sind Feldmann und Konsorten nicht zu einer Cover-Band mutiert, sondern machen noch immer das, was aus ihrer Sicht das Beste für die Band ist. Der Beweis: „Am I Deaf“. Bereits wenige Jahre nach „Hello Destiny…“ entstanden, hätte er schon zu der Zeit vom aktuellen Blink-Werk stammen können. Ist aber nicht so – weiß zumindest Google.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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