Goldust – Destroyer | Borderlines

Goldust - Destroyer | Borderlines

Goldust – Destroyer | Borderlines

Es ist immer wieder schön zu sehen, dass Hardcore nicht zwangsläufig aus den Staaten oder dem UK kommen muss, sondern auch das europäische Festland so einige Leckerbissen parat hält. Waren es um die Jahrtausendwende vor allem NYHC-Bands aus Holland, so machen sich nun Bands aus allen Bereichen international einen Namen, so zum Beispiel RITUAL (GER), GOLD KIDS (ITA) oder RISE AND FALL (BEL). Und vor allem letztere scheinen GOLDUST aus Münster stark beeinflusst zu haben.


Mit „Destroyer | Borderlines“ kommt nach einer Demo, zwei Splits (mit BLADE bzw. EVEN WORSE) und dem Vorgänger „Axis“ GOLDUSTS zweites Studioalbum auf den Markt. Zu hören bekommt man zwölf mal derbe angepissten, düsteren, metallischen Hardcore im Stile alter INTEGRETY oder eben RISE AND FALL, dessen Komplex aus Wut und Verzweiflung oft fast greifbar scheint. Dabei wird experimentiert, kein Song gleicht dem anderen. Wechsel zwischen unglaublich intensiven langsamen und wiederum schnelleren Passagen sind keine Seltenheit. Der über allem thronende Bass und Sänger Lars’ vor Selbsthass und Verzweiflung berstende Stimme haben durchaus ihre Wirkung, doch weiß die Platte teilweise nur schleppend mitzureißen. Hier und da auftauchende Elemente wie ziemlich stumpfe Drums und zu erzwungene wirkende Taktwechsel machen die Musik schwer zugänglich, auch wenn sie durchaus von Komplexität und Ideen zeugen.
GOLDUST versuchen viel (zum Beispiel die – teils von einer Frau – gesprochenen Elemente bei „To No Avail“), doch wenn sie sich auf das essentiellste beschränken, wirken sie bei weitem am besten. So können Songs wie „The Clawed One“ oder „Control“, die kompakt herüberkommen und in denen am wenigsten experimentiert wird, doch am meisten überzeugen und mitreißen: Hier kommt wirkliche Stimmung auf und man nimmt den Jungs die Wut auch ab. GOLDUST beweisen sich als durchaus textsicher, die Lyrics sind düster und beklemmend, doch nie zu pathetisch, gehen aber oft in Lars’ unkontrollierten Ausbrüchen etwas unter. Zeilen wie: „If I was given the chance to save a life/I would save everyones live around me/except for mine” („The Clawed One“), oder „A person in the mirror/pitch-eyed black/staring back at me/reminding me of all that I lack control/hollowed eyes can’t see” („Control“) zeugen von Zerissenheit und können weitestgehend überzeugen.
Insgesamt ist Destroyer | Borderlines also ein Album, dass es sich auf jeden Fall anzuhören lohnt, welches sowohl im Metal als auch im Hardcore-Bereich seine Anhänger finden wird und das man getrost als „befriedigend“ bezeichnen kann, welches jedoch hier und da Schwächen aufweist und letztlich nicht vollends überzeugen kann – trotzdem zeigen GOLDUST mehr als gute Ansätze und unterstreichen vor allem ihre Eigenständigkeit.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben American Football - American Football, Have A Nice Life - Deathconsciousness, Deafheaven - Sunbather, Duster - Stratosphere, Julien Baker - Turn Out The Lights
Die besten Konzerterlebnisse Iron Chic, Comadre, Julien Baker

Hinterlasse einen Kommentar