Good Riddance – Thoughts & Prayers

Musikrichtung Melodic Punk, Hardcorepunk
Redaktion
Lesermeinung
4.25

Das kalifornische Santa Cruz hat etwa 65.000 Einwohner und dafür eine ordentliche Anzahl an Punkgrößen hervorgebracht. Da wären die vor allem in den Neunzigern bekannt gewordenen Craig´s Brother oder die seit den Achtzigern aktiven Swingin´ Utters und natürlich Good Riddance.

Die Band ist ein Fat Wreck-Urgestein. Gegründet 1986, aufgelöst 2007 und wieder zusammen seit 2012 bringen es die vier von der amerikanischen Westküste mittlerweile auf stattliche neun Alben. Nun sind gut vier Jahre vergangen, seit die letzte Platte „Peace In Our Time“ voll eingeschlagen hat – höchste Zeit für ein neues Werk also. Und auch das bietet eine gute Mischung aus melodischem Punkrock und Hardcorepunk mit betont politischen Texten.

Sänger Russ Rankin, Bassist Chuck Platt, Drummer Sean Sellers und Gitarrist Luke Pabich bilden seit den Anfängen diese Band und sind sowohl politisch, als auch sozial sehr engagiert. Sie unterstützen beispielsweise Peta, Second Harvest Food Bank und die Never Again MSD, an die sie auch Teile des Erlöses dieser Platte spenden wollen.

Als Produzent haben sie mit Bill Stevenson, seines Zeichens Drummer der Descendents, einen Hochkaräter mit an Bord gehabt. Das merkt man auch am Sound. Der ist punkig und nicht verfälscht. Ein bisschen klingt er – wohl nicht ganz zufällig – auch nach Descendents.

„Thoughts & Prayers“ beginnt gleich mit harter Kost: Eine Ansprache über die Kluft zwischen Arm und Reich dient als Intro für „Edmund Pettus Bridge“. Diese Brücke existiert tatsächlich und ist nach einem ehemaligen General und demokratischen Senator aus dem 19. Jahrhundert benannt, der auch ein hochrangiges Mitglied des KKK war. Man merkt schnell, mit Good Riddance und Songwriter Russ Rankin ist nicht zu spaßen.

Weiter geht es mit einem schnellen, halbminütigen „Rapture“ und einem enorm melodischen „Don´t Have Time“, bevor mit „Our Great Divide“ der erste schnelle und etwas härter ausgelegte Hit wartet. Im Refrain natürlich extrem melodisch, aber in durchgehend hohem Tempo, dürfte das wohl einer der Hits dieser Scheibe werden.

Ein für Good Riddance eher langsamer angesiedeltes „Wish You Well“ spielt dann mit dem flotten „Precariat“ extrem gut zusammen. Freilich war es schon zu Zeiten von „Operation Phoenix“ oder dem späteren „My Republic“ ein Markenzeichen der Band, zwischen hart und schnell auch melodisch und gediegener zu Werke zu gehen.

„No King But Cesar“ wirkt da wieder etwas näher am Hardcorepunk, wobei dann der C-Teil und das Finale des Songs reiner Streetpunk der melodischsten Sorte sind.

Nachdem „Requisite Catastrophes“ die Platte beendet hat, beschäftigt einen vorrangig ein Gedanke. Wo nehmen diese Herren immer wieder solche Melodien her und vermengen sie mit so viel Power und Speed?

„Thoughts & Prayers“ fügt sich so nicht nur in die Diskografie ein, sondern bereichert sie um ein weiteres, sehr starkes Album. Die Veteranen haben einmal mehr bewiesen, dass man mit Passion und Überzeugung auch nach zehn Alben mehr als relevant bleiben kann.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
Top-Alben Pascow - Diene der Party, H2O - Nothing to prove, Muff Potter - Bordsteinkantengeschichten, NOFX - Punk in drublic, Wizo - Uuaarrgh!
Die besten Konzerterlebnisse PunkRockHoliday, Groezrock, Free & Easy

Hinterlasse einen Kommentar