Gouge Away – Burnt Sugar

Album Burnt Sugar
Band Gouge Away
Musikrichtung Hardcore, Punk
Redaktion
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Jeremy Bolm ist Fan der ersten Stunde. Als Gouge Away 2013 das Licht der Welt erblickten, war seine Freundschaft zu Sängerin Christina Michelle schon längst etabliert. Natürlich könnte man ihm so nun eine gewisse Befangenheit vorwerfen. Doch wer Bolm kennt weiß, in erster Linie ist er ein riesiger Musik-Nerd, mit genügend über die Jahre auf Tour zusätzlich gewachsener Expertise. Wenn sich jemand wie der Touché Amoré Sänger nun also zu einer Aussage hinreißen lässt wie „You know that feeling you get when you see something you know is important? Whether it’s a film, a photo, a painting or a performance… That’s the feeling you’re left with after this band enganges you.“, zitiert in der Pressemitteilung zu „Burnt Sugar“, dann ist das schon ein mittelschweres Ausrufezeichen.

Unter anderem über Bolms Empfehlung sind Gouge Away nach ihrem Debüt „, Dies“ nun auf Deathwish gelandet, haben unter Jack Shirleys Aufsicht in den Atomic Garden Studios aufgenommen, produziert hat die Chose dann einfach Bolm himself. Die Rahmenbedingungen für ein besonderes, ein großes Album also, sie waren gegeben. Und Gouge Away? Die werden den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht. Denn am Ende haben sie nicht nur die Energie und Prägnanz des Vorgängers beibehalten können, sondern sich dabei musikalisch auch noch gehörig weiterentwickelt.

Kamen einem auf „, Dies“ vor allem solch illustre Namen wie Punch, Dangers oder auch Comadre in den Sinn, haben Gouge Away auf ihrem zweiten Streich eine gehörige Portion Post-Punk in ihren musikalischen Kosmos einfließen lassen. Während das ganze so ein wenig an die Entwicklung von Ceremony etwa nach der „Rhonert Park“ LP erinnert, schreit es an dieser Stelle jedoch etwas lauter nach Sonic Youth als nach Joy Division. Trotzdem sind die Songs größtenteils kurze Knaller geblieben, statt sich ausufernd in zu viel Gitarrenspielerei zu verlieren. So beschränken sich die schön verzerrten Gitarren in ihren besonderen Momenten auf kurze Ausreißer inmitten kräftiger Stakkato, schieben aber weiterhin vor allem massiv von hinten an. Inhaltlich singt und schreit sich Michelle dabei nun vor allem mehr Introspektives von der Seele, während der Vorgänger einem noch eher Unangenehmes direkt ins Gesicht brüllen wollte.

Insgesamt liefern Gouge Away hier ein treibendes, tanzbares und progressives Hardcore Album ab, bei dem es einem wenig Vorstellungskraft abverlangt, um Bolm schon einmal vorsichtig vorab Recht geben zu wollen. Denn wenn Gouge Away diese Energie auch nur halbwegs auf die Bühne transportiert bekommen, dann dürfte kein Auge trocken bleiben.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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