Great Collapse – Neither Washington Nor Moscow… Again!

Musikrichtung Punk Rock, Hardcore
Redaktion
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Vor mehr als zwei Jahren haben Great Collapse ihr Debütalbum „Holy War“ veröffentlicht. Und eigentlich war das wie gemacht für den ganz großen Wurf. Eigentlich. Die Mitglieder, gut bekannt aus Bands wie Strike Anywhere, Rise Against, Comeback Kid oder Set Your Goals, hatten in der Vergangenheit zwar bereits Großes abgeliefert. Zusammen, als „Supergroup“, kamen sie über ordentliche Standardkost aber nicht hinaus. Auf „Neither Washington Nor Moscow… Again!“ ist das anders.

Zu einer Zeit, in der Bands aus allerlei Ecken mit politischen Phrasen um sich werfen und zur Revolte aufrufen, gehen Great Collapse noch weiter. Sie haben ihr gesamtes Werk all jenen gewidmet gewidmet, die tagtäglich gegen Faschismus und Terror kämpfen – für Liebe und Freiheit. Die Lyrics klingen nicht selten nach linker Utopie:

You’re not the only one, we’ll stand as legion. No more Beijing, Moscow, or Washington, right? Tell me you won’t live and die for these fictions? This is the antidote for the virus of wealth as religion.” („An Injury To One“)

Great Collapse rechnen mit politischen Anführern ab, thematisieren wie Religion nicht selten als letzte Zuflucht gesehen, doch dann missbraucht wird. Die Herren legen nahe, dass man nicht gegen Neo-Nazis und Terroristen gewinnen kann, solange die Ursachen, die sie hervorbringen, noch tief in den Wurzeln der Gesellschaft liegen. Versuchen sollte man es freilich dennoch.

Das Quintett ist wütend – und das merkt man nicht nur ihren Texten an, sondern auch der Musik. Alles ist weitaus Hardcore-lastiger als noch auf „Holy War“, aggressiver und rauer. Das Schlagzeug prescht voran, als gäbe es kein Morgen und verleiht den Texten die nicht unbedingt notwendige extra Schärfe. Und für diejenigen, die es noch immer nicht verstanden haben, gibt es dann auch noch Intros mit „listen Nazi, never again“ („Atomic Calendar“). Deutlicher geht es kaum.

Mit „Neither Washington Not Moscow… Again!” haben Great Collapse ganz gewiss kein musikalisch-ästhetisches Album hervorgebracht, ganz im Gegenteil. Es ist rau, drückend und manchmal etwas furchteinflößend. Doch es hat Charakter. Den Charakter, den Great Collapse in dieser Formation dem Publikum auch schuldig sind.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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