Harm’s Way – Blinded

Album Blinded
Band Harm's Way
Musikrichtung Metallic Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Selbst für ein Genre wie Hardcore sind Harm’s Way ein Schwergewicht an Härte und Brutalität. Auf ihrem Weg von Straight Edge zu einer stark metallischen Hardcore-Facette haben sie genau diese Aggression stets beibehalten. Auf der aktuellen EP „Blinded“ scheinen sie nun endgültig zu explodieren.

Der Beginn des 20-Minuten-Biests besteht aus dem Titel „Frontal Lobe“, dessen schauriges Intro nach den ersten 90 Sekunden immer weiter gesteigert wird, um nach einer weiteren halben Minute in einem der brutalsten Riffs zu entladen, die man in diesem Jahr zu hören bekommen wird. Das tendenziell langsamere Tempo und die gewohnt beängstigende Stimme des Frontmanns James Pliggue formen den Song zu einer regelrechten Dampfwalze, die erst nach sieben Minuten und einige Male wiederholten Schreien der Verzweiflung zum Stehen kommt: „Save me from this hell!“.

Es folgt die Single „Mind Control“, deren düsteres Video man schon im Vorfeld begutachten konnte. Eines ist klar: Dieser Titel wird während der ohnehin heftigen Konzerte der Gruppe für Verletzungen im Moshpit sorgen. Als Zwischenspiel ist anschließend der herausstechende Titelsong zu hören. Zu mehr als einem Lückenfüller kann er kaum taugen, was jedoch auf halber Strecke der EP zu einer angenehmen und benötigten Atempause führt.

Mit „Blind Stare“ und „Live To Loathe“ zeigen sich „Harm’s Way“ von einer groovig-rhythmischen Seite, die jedoch den ersten beiden Titeln der EP in ihrer Härte in nichts nachsteht. Gegen Ende werden auch die seit „Blinded“ stärker im Vordergrund stehenden Metal- und Industrial-Einflüsse auch noch deutlicher. Vergleiche mit dem Vorgänger „Isolation“ sind hier obsolet, denn die Weiterentwicklung des Sounds hört man sofort. Es scheint, als habe sich die Band Zutaten einiger harten Genre vorgenommen und aus ihnen eine eigene, besonders böse Backmischung kreiert. Und der entstandene Teig soll sich nicht gut anfühlen oder schön aussehen. Er soll Ecken und Kanten haben, er muss fies und roh sein. Hat funktioniert.

„Blinded“ endet, technisch und musikalisch betrachtet, ebenso „pissed“ wie es begann. Textlich geht die Reise jedoch eher in eine andere Richtung, nämlich hin zu einer selbst-reflektierenden Beschreibung des inneren Zustands des Sängers; Zerrissenheit, Einsamkeit und Verzweiflung kennzeichnen die Gefühlswelt der Songs: „sick alone / sad and struck / life of terror / cold disgust / tears fall / shadows rise / i dissolve / sleep, i die“. Die gute Portion Misanthropie gibt es natürlich als kostenloses Extra zum ansonsten sehr schmackhaften Unhappy Meal dazu.

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