Have Mercy – Make The Best Of It

Band Have Mercy
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
5

Gerade einmal ein Jahr trennt die beiden Have Mercy-Alben „The Earth Pushed Back“ und „A Place Of Our Own”. Bis zum dritten Schlag mussten vergleichsweise lange drei Jahre in die Lande ziehen. Frontmann Brian Swidle war unzufrieden mit seiner Arbeit und unglücklich mit seinen eigenen Songs – das sollte nicht ein weiteres Mal passieren. Sein Zaudern war allerdings nur einer der vielen Steine auf dem Weg zu „Make The Best Of It“. Vor allem löste sich die Band 2016 nämlich nahezu auf. Drei der vier Mitglieder stiegen aus und ließen Swindle alleine zurück. Ganz ohne Hilfe musste er das Album zwar nicht schreiben, das letzte Wort hatte er aber freilich immer. Das Ergebnis ist so nun der erste Schritt zur Erfüllung seiner ganz eigenen Vision von Have Mercy.

„Make The Best Of It“ ist emotional wie eh und je, dafür aber auch ein wenig härter als gewohnt. Melodisch mit dezenten Progressive-Anleihen, gleichermaßen mit Hits gespickt wie auch mit durchwachseneren Songs. Die erste Single „Coexist“ gehört dabei zweifelsfrei zur ersten Kategorie und kann zudem leicht als der bisher beste Have Mercy-Song überhaupt bezeichnet werden. Musikalisch starker Alternative mit akzentuierten, mitreißenden Breaks, stimmlich die pure Verzweiflung, die in diesem Ausmaß auch schon bei The Wonder Years für Freudentränen gesorgt hat. „But it wasn’t the best and it wasn’t the worst. When I feel you again I wanna‘ know if it hurts. But to tell you the truth, I’m not the person you knew”.

„Baby Grand“ ist dagegen das Ergebnis einer kleinen Schreibblockade – ein Song, der mehr durch Zufall bei einer Jamsession auf dem Piano von Produzent Paul Leavitt entstanden ist. Von der ersten Version ist der Song nun zwar weit entfernt, die gewollte Ballade des Albums gibt er trotzdem – kitschig on point, so wie es sich gehört. „Give me one more night and I promise. Give me one more night and I’m sure. Give me one more night and a different life, we could be how we knew we were”. Unterlegt mit vergleichsweise seichterem, romantischeren Alternative besteht zwar schnell die Gefahr, dass „Baby Grand“ nur zum Guilty Pleasure wird, doch schämen muss man sich dafür bestimmt nicht.

Bei manch anderem Track sieht das leider ganz anders aus, allen voran: „Good Christian Man“. Die Beschreibung „zu gewollt“ trifft hier ins Schwarze. „To be loved and feel hated still. Don’t give up, there’s a void you fill. To be loved and feel hated, we’ve got it wrong. We want to feel safe but we’ll never belong” – da will man doch glatt seinen Therapeuten anrufen. Mit dem Druck, den Swidle obendrein in seine Stimme zu legen versucht, klingt er dabei zu guter Letzt schon fast wie Chad Kroeger von Nickelback.

Have Mercy sind zurück – zumindest das, was von ihnen übrig geblieben ist. „Make The Best Of It“ erzählt dabei die Geschichte von sieben Monaten, in denen in Brian Swindles Leben Gutes wie auch Schlechtes und Angsteinflößendes geschehen ist. Gegensätze, die sich auch auf dem Album wiederfinden.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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