Heisskalt – Vom Wissen und Wollen

Band Heisskalt
Label Chimperator
Musikrichtung Alternative, Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

Wo soll man anfangen, bei einer Band, die wie keine zweite eine rasante Entwicklung innerhalb kürzester Zeit durchgemacht hat? Vielleicht einfach am Anfang. Den machte damals die „Mit Liebe gebraut“-EP und dem Hit „Hallo“. Damals noch im Pop-Rock-Kosmos verhaftet, spielte man sich nach und nach in Richtung Festival-Bühnen. Es folgte das Debütalbum „Vom Stehen und Fallen“, und das brachte alle Kritiker zum Schweigen. Waren Heisskalt zwar immer schon irgendwie dem Alternativ-Bereich zugeordnet worden – und sei es nur anhand der getragenen Bandshirts bei Konzerten – so wurden die Stuttgarter doch immer ein wenig für die braven Buben gehalten, die eben ziemlich poppigen Rock machen. Dieses Bild kippte die Band mit Leichtigkeit durch das unerwartet unbequeme und harte Debüt. Es folgten ausverkaufte Touren, größere Clubs und die größten Festivals. Nun folgt mit „Vom Wissen und Wollen“ die bereits von den Fans sehnlichst erwartete zweite LP.

Und die lässt den Hörer nach dem ersten Durchgang erstmal ratlos zurück. Die Vorab-Single „Euphoria“ zumindest steht nicht stellvertretend für den Gesamtsound der Platte, sondern markiert eher das obere Ende der Härtegrad-Skala. Hinzu gesellt sich „Tanz, Tanz“, das mit hohem Tempo, Shouts und einer Menge Wut der wohl härteste Track von Heisskalt überhaupt ist. Die Mehrzahl der anderen Songs orientiert sich jedoch eher am Sound der zweiten Single „Absorber“. Wirkt der erste Eindruck noch diffus und schleppend, offenbart sich erst nach mehrmaligem Hören die Genialität des zweiten Heisskalt-Werkes. Die Stuttgarter waren schon immer Fans von Gitarrengefrickel und überbordenden Effektsalven, zu hören beispielsweise am Anfang von „Angst hab“. Die gewisse Note Post-Rock ist auch auf  „Vom Wissen und Wollen“ erhalten geblieben („Von allem“). Der Pop-Appeal aus vergangen Zeiten scheint am deutlichsten wohl beim „Lied über Nichts“ durch. Der ist textlich übrigens eine Kapitalismuskritk – aber irgendwie dann doch auch nicht.

youtu.be/NcMMLmCCNcg

Die Produktion des Albums spricht ebenfalls für sich. Die geballte Tiefe des Sounds, sämtliche Effektspielereien und Gesangsparts tönen vortrefflich aus den Boxen und unterstreichen die enorme musikalische Kreativität des Stuttgarter Kollektivs. „Vom Wissen und Wollen“ verlangt dem Hörer einiges ab. Zum Beispiel Zeit: Die sollte man sich nämlich nehmen, um sich voll und ganz auf die 12 Songs einzulassen. Denn nur die wenigsten zünden so schnell wie „Euphoria“. Generell gibt es auf diesem Album kaum wirkliche „Hits“. Dafür steckt eine ungeheure Menge Detailverliebtheit in jedem einzelnen Ton und ermöglicht es immer wieder neue Facetten im Sound zu entdecken.

Heisskalt bleiben unbequem, unangepasst und unberechenbar. Weder dem Hörer, noch sich selbst macht die Band es einfach. Wie sagen sie selbst: „Es ist möglich. Also tun wir es.“

Autor Jannik Holdt
Wohnort Mönchengladbach
Beruf Student
Dabei seit 2008
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, Präsentationen, Gewinnspiele
Top-Alben Have Heart - The Things We Carry / The Chariot - Long Live / Rise Against - Siren Song Of The Counter Culture / Another Breath - Mill City
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