Higher Power – Soul Structure

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Wenn es um Individualität im Hardcore geht, kann man die Bands, die wirklich aus der Masse herausstechen, meist an einer Hand abzählen. Higher Power allerdings gehören zu den Bands, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Der Fünfer aus Leeds bewies bereits 2015 mit einer hier zu Lande noch recht wenig beachteten Demo und kurz darauf mit einer Debüt-EP, dass Hardcore mehr sein kann als eine vorgeschriebene Anzahl von Riffs, Akkorden und den immer gleichen angepissten Vocals. Vertonten Higher Power vor zwei Jahren noch das 90er One-Hit-Wonder „Freestyler“ von den Boomfunk MCs neu, beweist die Band auf ihrem ersten Album „Soul Structure“ wie vielseitig Hardcore im Jahr 2017 klingen kann.

Geht es nach den Kritikern, so ist „Soul Structure“ Hardcore, Funk und Pop-Punk in einem. Soundtechnisch kommt das wohl ganz gut hin: Während Titel wie „Burning“ oder der Opener „Can’t Relate“ klassischem New Yorker Hardcore-Punk a la Leeway, Killing Time oder Crown Of Thornz einen neuen Anstrich verpassen, stechen „Hole“ und das bereits vor rund einem Jahr auf einem Promotape veröffentlichte „Reflect“ durch eine groovige Eingängigkeit heraus. Man könnte meinen, teilweise sogar ein bisschen E Town Concrete aus dem Ganzen herauszuhören.

Über 30 Minuten kredenzen Higher Power dem Hörer äußerst tanzbaren Hardcore-Punk, den man auf eine derart erfrischende Art seit dem ersten Album von Turnstile nicht mehr gehört hat. Wäre „Soul Structure“ vor zwei Jahren, also im gleichen Jahr wie Turnstiles „Nonstop Feeling“ erschienen, könnte man vermuten Higher Power hätten das Rennen um die beste und authentischste Hardcore-Platte des Jahres gewonnen. Lyrisch gewinnen Higher Power aber wie Turnstile gewiss keinen Blumentopf: Die Texte sind in den meisten Songs eingängig und dadurch leicht bekömmlich gehalten. Das hat natürlich den Vorteil, dass die Songs besonders gut und schnell im Kopf hängenbleiben. Dafür sorgt auch die fette Produktion von Arthur Rizk (Power Trip, Mizery) und Joel Grind (Integrity, Ringworm).

Am Ende ist „Soul Structure“ ein durch und durch erfrischendes Hardcore-Album, das ab Minute Eins Spaß macht und den Hörer nicht auf halber Strecke hängen lässt. Ein Album, welches sicherlich in so mancher Bestenliste am Ende des Jahres landen wird. Und wer Higher Power schon einmal live gesehen hat weiss eh, wie viel Spaß diese Band macht. Das einzige Manko könnte für viele der Gesang sein. Aber wer keine Scheuklappen auf den Augen und Tomaten auf den Ohren hat, der wird spätestens beim Groove von „Hole“ merken, wie gut hier alles zusammenpasst.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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