Horse Jumper Of Love – So Devine

Album So Devine
Musikrichtung Slowcore, Indie, Shoegaze
Redaktion
Lesermeinung
5

Wohl kein Musikvideo ist in diesem Jahr so angenehm vereinnahmend wie „Poison“ von Horse Jumper Of Love. Pizzabacken wird zum meditativen Prozess. Den Effekt kann schön inszeniertes Handwerk natürlich grundsätzlich haben. Hier wird der Teig gerollt, da die Sauce verstrichen. Zwischendurch darf auch mal das ein oder andere Maschinchen ostentativ in Zeitlupe vor sich hinwerkeln. Allerdings: Das Bostoner Trio liefert eben auch den perfekten Soundtrack zu ihrem schmucken Hingucker. Prädikat: Künstlerisch wertvoll.

Die 90er haben im Zuge des Schreibprozesses von „So Devine“ wohl eben mal kurz durchgeklingelt. Da stehen die großartigen Duster Pate, auch Bedhead oder eine nicht ganz so depressive Variante von Codeine kommen in den Sinn. Als „Slowcore“ lässt sich das ganze betiteln, wenn man ganz tief in der Genre-Kiste kramen möchte, erweitert um etwas spleenigen Indie-Rock. Gekonnt im Studio in einen gewissen Lo-Fi-Vibe inszeniert, ist die Nummer auf den Punkt produziert. Interessante Riffs wabern durch den gallertartigen Soundteppich.

Wirklich clean wird der Sound eigentlich nur bei immer wieder eingestreuten äußerst dezent musikalisch untermalten Gesangspassagen. Ansonsten hangeln sich die repetitiven Gitarrenspuren entlang eines langsam ausschlagenden Metronoms durch den Dickicht, scheppert hier und da mal kurz das Schlagzeug. „So Devine“ verlangt nach Aufmerksamkeit, auch wenn es durchaus gut im Hintergrund laufen kann. Die einzelnen Stücke allerdings gewinnen vor allem in ihrer Wiederholung. Die Sogkraft, die Horse Jumper Of Love dabei entwickeln, ist beachtenswert.

Die FFOs sind bereits abgearbeitet. Wenn einem aber prinzipiell Alternative Rock aus den Hausen Run For Cover oder Topshelf zusagt und vielleicht auch gerne mal eine Shoegaze-Platte über den heimischen Teller kreist, dann sollte „So Devine“ zumindest mal angespielt werden. Aber auch für alle anderen gilt: Für Sommernachmittage, an denen es so heiß ist, dass man seine Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert und kurz davor ist mit der Couch zu verschmelzen, ist „So Devine“ wie gemacht.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben American Football - American Football, Have A Nice Life - Deathconsciousness, Deafheaven - Sunbather, Duster - Stratosphere, Julien Baker - Turn Out The Lights
Die besten Konzerterlebnisse Iron Chic, Comadre, Julien Baker

Hinterlasse einen Kommentar