Hotel Schneider – Zurück in den Ring

Label Chateau Lala
Musikrichtung Pop, Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

Fast sieben Jahre nach der Auflösung von muff potter. will es Gitarrist und Sänger Dennis Scheider noch einmal wissen. Folglich nennt sich das Debüt seines neuen Projekts Hotel Schneider auch „Zurück in den Ring“. Benannt wurde das Werk laut der Band allerdings nach einem Song, der es nicht auf das Album geschafft hat. Für die erste Möglichkeit wäre der Titel aber auch freilich falsch gewählt gewesen.

Denn selbst als nicht-muff potter.-Fan sind die einzigen Highlights des Albums die muffpottrischen Momente. Allen voran „Ich geh zurück in die Wildnis“, der mit seinem flotten Tempo und eingängigen Melodien die Pluspunkte verbucht. Für den Rest der Platte weckt er allerdings dezent falsche Hoffnungen. Die besteht größtenteils nämlich aus absolut kitschigen und Klischee-versifften Werken, die ebenso gut in das Sat1-Frühstücksfernsehen passen würden.

Doch ich weiß hinter der Fassade, da brauchst du mich. Hinter der coolen Maskerade seh‘ ich dein wahres Gesicht. Ich weiß, wir beide brauchen Ärger, brauchen gebrochene Herzen und es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht erklären.“ („Wir beide brauchen Ärger“) – an dieser Stelle heißt es wohl nur: Feuerzeug in die Höhe, einhaken und losschunkeln. Das hätten selbst Revolverheld nicht besser machen können.

Waren die Songs und Texte der stilprägenden Münsteraner noch von smarten Sprüchen und simpler Cleverness geprägt, hat sich der Herr Scheider bei seinem neuen Projekt für pure Banalität entschieden. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal eine abnorme Abneigung gegenüber deutschsprachigem Pop-Rock haben. „Zurück in den Ring“ ist schlichtweg Hausfrauenrock für Midlife Crisis-Betroffene und Leute, die sich mal wieder an die „gute, alte Zeit“ erinnern wollen. Wie (fast) jede Art von Musik hat natürlich auch diese ihre volle Daseinsberechtigung, doch wenn so die Zukunft der hiesigen Pop-Musik aussehen soll, ist es um diese wahrlich nicht allzu gut bestellt.

Zurück in den Ring will der Herr Scheider. Endlich mal wieder selber Musik machen, dabei aber bloß nicht sein Vorgänger-Projekt kopieren. Hat er auch nicht – wäre aber wahrscheinlich die bessere Idee gewesen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Hinterlasse einen Kommentar