I Prevail – Trauma

Album Trauma
Band I Prevail
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
8

I Prevail haben gerade mal eine EP und ein Album gebraucht, um einen Bekanntheitsgrad zu erlangen, den viele Bands in ihrer gesamten Karriere nicht erreichen. Die Band scheint also einen Nerv zu treffen. Dass für Songs wie „Scars“ oder „Stuck In Your Head“ vom Debüt-Album „Lifelines“ das Wort „Ohrwurm“ keine Übertreibung ist, lässt sich ja auch nur schwer leugnen. Freilich dürfte die Versuchung groß sein, das erwiesenermaßen erfolgreiche Schema bis in alle Ewigkeit durchzuziehen – machen I Prevail aber nicht. „Trauma“ klingt an vielen Stellen vollkommen anders, wenngleich nicht unbedingt in positiver Hinsicht.

Wer den Opener „Bow Down“ für repräsentativ für das Album hält, irrt zunächst einmal gewaltig. Irreführender hätten I Prevail nämlich kaum starten können. So richtig in die gleiche Kerbe schlagen lediglich „Deadweight“ und „Gasoline“ – der wahrscheinlich härteste Song in I Prevails Diskografie. Ansonsten geht die Reise häufig vor allem in Pop- und Rap-Gefilde. Das muss kein Beinbruch sein. Mit Blick auf I Prevails konkrete Umsetzung ist es das von Zeit zu Zeit leider schon.

Nun gut, schlecht ist ja nicht alles. Bereits angesprochenes „Gasoline“ klingt nicht nur ein wenig wie Linkin Park auf Steroide und entfacht ein loderndes Inferno, wie es wohl die wenigsten erwartet hätten, sondern beweist auch, dass Rap-Einlagen nicht zwangsläufig blödsinnig, sondern durchaus bereichernd klingen können. Als Beispiel für letztere Erkenntnis könnte man auch „Breaking Down“ herhalten lassen. Nur klingen I Prevail hier schon deutlich weniger souverän. Denn vieles ist wild und teilweise einfach unpassend zusammengeschustert. So baut „Breaking Down“ zunächst gekonnt Spannung auf, nur um sich anschließend in einen vollkommen banalen Refrain zu entladen, der wirkt, als sei er dem Song per Zufallsmechanismus zugeteilt worden.

Andererseits: Immerhin dürfte der Song irgendwie in Erinnerung bleiben. Das darf an anderer Stelle zumindest bezweifelt werden. Die wenig ambitionierte Rock-Pop Nummer „Every Time You Leave“ etwa, dürfte selbst fürs Radio zu seicht sein. Besser macht’s „Hurricane“, obwohl auch dessen Halbwertszeit nicht im Verdacht steht, neue Rekorde aufzustellen. „Trauma“ sticht allgemein leider nur selten aus dem Mittelmaß hervor. Denn ein „DOA“ zum Beispiel, dürfte zwar wunderbar in den nächsten FIFA-Soundtrack passen, stören dürften sich an dem Song schließlich die wenigsten – großartiger Wiedererkennungswert ist gleichwohl nicht zu erkennen.

Nicht zuletzt mangelt es „Trauma“ dabei an einem musikalischen roten Faden. I Prevails zweites Album wirkt wie ein  kunterbuntes Sammelsurium, auf dem sich die Band in allerlei Richtungen austobt und sich bis auf wenige Ausnahmen dem Durchschnitt nicht entwinden kann. Der Vorgänger „Lifelines“ klang da noch deutlich runder. Zwar lässt sich immer noch der ein oder andere Ohrwurm entdecken – ein gutes Album macht das aber noch lange nicht.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
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Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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