Iggy Pop – Post Pop Depression

Iggy Pop, der Großmeister der überwältigenden Live-Konzerte und eskalierenden Bühnen-Performances, ist zurück im Rock. Und damit diese Rückbesinnung zu handfesten Riffs und härteren Klängen auch funktioniert, hat sich der Chaosrocker niemand geringeren als Josh Homme (u. a. Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures) ins Boot geholt – und der brachte gleich noch Bandkollegen Dean Fertita von QOTSA und Arctic Monkeys Schlagzeuger Matt Helders mit. Die Bühne auf „Post Pop Depression“ gehört aber ganz klar Pop und Homme. Zwei Masterminds des Rocks auf einem Album. Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich nicht in die Quere kommen.

Die Zeiten der gepflegten Zerstörung des Inventars von Hotelzimmern und das fleißige Sammeln von Hausverboten sind für Iggy Pop vorbei. Der Mitbegründer der Stooges, mit bürgerlichem Namen Jim Osterberg, lässt es heute lieber ruhig angehen und verbringt seine Zeit laut eigener Aussage am liebsten nackt in seinem Haus auf den Cayman Islands – die eigene Bucht macht’s möglich. Hier ist er Jim Osterberg; der ruhige Part seiner multiplen Persönlichkeit. Bevor er den Rock aber ganz zu den Akten legt, wird es noch mal Zeit den bösen Zwilling Iggy Pop zu wecken – und richtig laut zu werden. Dafür mitverantwortlich: Josh Homme. Dessen Einfluss ist schon beim Opener „Break Into Your Heart“ hörbar. Wie auch die Harmonie, die Hommes Gitarrenspiel in Verbindung mit Iggys Stimme kreiert.

Eine Klang gewordene Symbiose zweier genialer Songwriter, die sich durch das komplette Album zieht – ohne, dass sich beide die Show zu stehlen versuchen. In „Gardenia“ wird zum ersten Mal klar, wie sehr beide darauf bedacht sind, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Keiner nimmt sich hier zu ernst. Und das tut dem Album gut: „Post Pop Depression“ lebt von einer schlichten rockigen Lässigkeit; wie dem legeren Rhythmus der Tomtoms im sechsminütigen „Sunday“ oder Iggys coolem Gesang in „Chocolate Drops“.

Bei all der Lässigkeit lässt Iggy aber zu keiner Zeit den Eindruck entstehen, dass er nichts zu sagen hätte: Er blickt auf seine künstlerische Hochphase in Deutschland zurück („German Days“), wo Klassiker wie „Lust For Life“ und „The Passenger“ produziert wurden, richtet seinen Blick aber im verspielten, von einem Vibraphon getragenen „American Valhalla“ auch fragend in die Zukunft: „Where is American Valhalla? Death is the pill that’s hard to swallow. Is anybody in there? And can I bring a friend?“ Ein sehr persönliches Album auf dem Iggy Pop schlicht noch einmal beweist, dass er einer der ganz großen im Rock ist. Was auf „Post Pop Depression“ im alles überragenden „Paraguay“ mündet:

„There’s nothing awesome here. Not a damn thing. There’s nothing new. Just a bunch of people scared. Everybody’s fucking scared. Fear eats all the souls at once. I’m tired of it and I dream about getting away. To a new life. Where there’s not so much fucking knowledge. I don’t want any of this information. I don’t want You. No, not anymore.“

Das vielleicht letzte Album dieser lebenden Legende ist ein Meilenstein in seiner Rock-Karriere. Ein Statement an das Leben – und seine Vergänglichkeit. Pop hat den kürzlich verstorbenen David Bowie, mit dem er in Berlin zusammen wohnte, als guten Einfluss bezeichnet. Es wäre schön, wenn uns Iggys Kunst noch etwas länger erhalten bleibt. Und sollte „Post Pop Depression“ wirklich das letzte Album dieses Ausnahmekünstlers sein, bleibt nur zu sagen: Vielen Dank Iggy für diesen grandiosen Abschied.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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