Integrity – Howling, for the Nightmare Shall Consume

Band Integrity
Musikrichtung Hardcore, Metal
Redaktion
Lesermeinung
6

Sie sind kompromisslos, uneinsichtig und mit Sicherheit auch streitbar: Ingerity. Für sein neues Album „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ hat sich der Tunichtgut der Hardcore-Szene nach nahezu unzähligen Besetzungswechseln bei Relapse Records eingefunden. Wie lange er dort bleiben wird? Das steht in den Sternen. Ob sich der Wechsel aus künstlerischer Sicht gelohnt hat, erfahrt ihr hier.

Furchteinflößend kündigt „Fallen to Destroy“ das bevorstehende Unheil an, das für die nächsten knapp 50 Minuten über den Hörer hereinbricht. Integrity wüten, als wären es die letzten Töne, die sie ihren Hörern übermitteln können. Als wäre „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ ihre letzte Chance, all ihre Gedanken zu konservieren und zu verbreiten. „Blood Sermon“ ist ein glühender Bastard aus Hardcore und Black Metal, der sich mit Händen, Klauen und messerscharfen Zähnen über seine Beute hermacht. Gesegnet ist, wer da noch auf Rettung hofft. Und dass die Band nicht viel von göttlichem Segen hält, dürfte weitläufig bekannt sein. So ziert das Cover auch kein Geringerer als der Leibhaftige selbst zu Pferd. Das ihm zu Füßen liegende Opfer kann hier sinnbildlich für den Hörer genommen werden.

Der Sog den „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ erzeugt, ist unerbittlich, gefährlich und endet in tiefer, alles verschluckender Dunkelheit. Diese Dunkelheit lichtet sich selbst mit den ruhigeren Stücken „Serpent of the Crossroads“, „Unholy Salvation of Sabbatai Zevi“ und „7 Reece Mews“ nicht. Dieses unheilige Trio macht alleine schon fast die Hälfte der kompletten Spiellänge aus und entführt in die dunkelsten Ecken, die tiefsten Abgründe und die furchteinflößendsten Schatten, die sich Integrity ausdenken konnten. Der Herzschlag, die Wiege und das Epizentrum. Der Ort, an dem alle Fäden von „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ zusammenlaufen. Der Teil, aus dem sich die wahre Kraft und Destruktion dieses Werkes nährt. Ein Albtraum aus tiefem Schwarz und dichten Nebeln, die den Verstand zu rauben in der Lage sind.

Die Band verweilt aber nicht lange in diesem düsteren Intermezzo. Gegen Ende nimmt „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ nochmal Fahrt auf. Das Schlagzeug galoppiert vorwärts wie die vier apokalyptischen Reiter, die Gitarren rasen durch irrwitzige Soli, die das komplette Griffbrett in Anspruch nehmen und der Gesang formt aus Gebrüll eine Machtdemonstration der Aggression. Ein Ausflug der mit dem unerwartet poppigen „String up My Teeth“ kurz vor Schluss noch seinen Tiefpunkt erreicht. Die Irritation durch diese kurze Stippvisite in Hair-Metal-Gefielde währt allerdings nicht lange, denn der abschließende Titeltrack holt einen schnell wieder aus der Verwunderung und bringt „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ zu einem würdigen, eindringlichen Ende.

Ob einem der Standpunkt von Integrity zusagt und einem die Botschaften auf „Howling, for the Nightmare Shall Consume“ nicht vielleicht doch widerstreben, muss jeder für sich selbst ausmachen. Rein musikalisch bietet die Band hier ein blutrünstiges Feuerwerk aus Hardcore, Black und Power Metal. Eine Mischung die explosiv und überwältigend zugleich ist. Brutal, unnachgiebig und einnehmend. Ein Höllenritt mit Suchtfaktor.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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