Isolation Berlin – Vergifte dich

Musikrichtung (Post-)Punk, Pop, Psychedelic Pop
Redaktion
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Isolation Berlin platzt bald der Kragen! Überall schlechte Menschen, Lügen, Hass und Gewalt. Da fällt es schwer, positiv und gut gelaunt zu bleiben. Und genau nach dieser Stimmung klingt auch das neue Album der vier Post-Punker.

„Vergifte dich“ heißt es und bietet elf Tracks voller Düsternis, Pessimismus, Einsamkeit und Schmerz. Mit einer Mischung aus Pop, Post-Punk und Psychedelic Pop will Isolation Berlin vor allem eines: aufrütteln und Haltung zeigen. Und werden gerade mit ihren poetischen Texten auch einigen aus der Seele sprechen. Metaphern, entlehnt aus der Biochemie („Serotonin“), der Astrophysik („Antimaterie“) und dem Drama („Melchiors Traum“), kunstvolle Sprachfiguren, manchmal aber auch einfach gerade heraus („Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat. Da hol ich mir zurück, was mir gehört. Und ich schwöre dir, ich schlage heute ein paar Fressen ein, wenn mich noch einmal jemand dabei stört.“).

Drastisch zum Beispiel auch das schwermütige „Wenn ich eins hasse, dann ist das mein Leben“: Wenn Tobias Bamborschke voller Schmerz „Mir ist alles zu viel, mir ist alles zu viel“ singt, dürfte sich so mancher verstanden fühlen. Und vielleicht auch ein wenig unbehaglich ob so viel Negativität. Wie sehr Isolation Berlin, das dumme Gerede mancher Menschen hassen, wird auf „Die Leute“ deutlich, auf dem sie die Gesellschaft wegen ihrer Lügen und ihrem Tratsch anklagen. Doch auch die Liebe und ihre melancholischen Seiten kommen auf dem neuen Album nicht zu kurz, wie zum Beispiel auf „Vergeben heißt nicht vergessen“. Auf „Antimaterie“ geht es um das Gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören und unter Depressionen zu leiden: „Und ich weiß du sehnst dich so sehr danach, zu lachen, zu jauchzen, zu scherzen. Doch du trägst Antimaterie in deinem Herz.“ Etwas schneller und ein wenig an Bands wie Primal Scream erinnernd kommt „Kicks“ daher – eine tolle Abwechslung zum Rest des Albums.

„Vergifte dich“ ist eher kein Album für die schönen Stunden des Lebens oder ein Gute-Laune-Garant, sondern bringt den Hörer vielmehr zum Nachdenken. Das gelingt Isolation Berlin sehr gut. Und sie beweisen Haltung.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redakteurin
Dabei seit November 2014
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