Joyce Manor – Million Dollars To Kill Me

Label Epitaph
Musikrichtung Indie-Punk
Redaktion
Lesermeinung
5.25

Jeder kennt sie, diese Tage an denen einem einfach nichts gelingen will, an denen man sich nicht gemocht und furchtbar leer fühlt. Genau dann ist es Zeit für „Million Dollars To Kill Me“. Joyce Manor kommen mit ihrem neuen Album vorbei, ziehen die Vorhänge auf, damit die Sonne wieder scheint, und nehmen einen ganz fest in den Arm.

Es ist ein richtig schönes Album geworden, dieses „Million Dollars To Kill Me“. Nicht, dass das anders zu erwarten gewesen wäre, aber es hat sich nunmal einiges im Sound der Kalifornier getan. Denn viel ist vom Garage-Punk-Geschwurbel, den die Band in ihrer Anfangszeit noch so gekonnt präsentierte, nicht geblieben. Joyce Manor entwickeln sich immer weiter in Richtung eingängigem Pop – und das überhaupt kein bisschen anbiedernd, sondern einfach extrem gut.

Schon nach den ersten paar Sekunden des Openers „Fighting Kangaroo“ fühlt man sich hier willkommen und aufgenommen. Das klingt frisch, nach Lebensfreude und Luftsprüngen. Dieses Album umgarnt einen so richtig – und dafür scheint die Band auch keine neuen Wege zu scheuen. Um die einlullende Stimmung auf „Million Dollars To Kill Me“ perfekt zu machen, ertönen dann auch mal Ba-Bada-Chöre („Fighting Kangaroo“) und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, holen sie auf „Silly Games“ noch das Xylophon aus dem verstaubten Proberaum. Das wirkt dann aber kein bisschen peinlich, sondern muss genau so sein.

Joyce Manor scheinen aber auch ein bisschen erwachsener geworden zu sein. So erwachsen, dass Frontmann Barry Johnson fast ausnahmslos mit klarer Gesangstimme zu hören ist. Rockig wird’s hier hingegen nur noch selten. Ausbrüche mit großen Gefühlen und Geschrei wie „Big Lie“ oder das flotte „Friends We Met Online“ sind zwar überaus willkommen in jedem Pit, auf der Platte stehen die Songs aber fast alleine da – was auch wiederum zeigt, wie vielfältig diese Band eigentlich zu Werke geht.

Kaum zu glauben, dass tatsächlich Converges Kurt Ballou hier auf dem Produzentenstuhl saß. Wahrscheinlich war’s aber für was gut, denn der gute Herr verpasst „Million Dollars To Kill Me“ einen astreinen Sound, bei dem die Harmonie über allem zu thronen scheint. Und nichts Geringeres verdienen die zehn Songs der fünften Platte dieser sich immer noch weiterentwickelnden Band.

„Million Dollars To Kill Me“ ist die Kopfschmerztablette für den Kater nach einer durchzechten Nacht, die Decke und der heiße Tee, die einem bei Schüttelfrost Wärme spenden und die feste Umarmung der geliebten Person, die man schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat. Kein Wunder, dass man davon immer mehr möchte.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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