Kamikaze Girls – Seafoam

Album Seafoam
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
4

Feministischer Punk ist momentan an allen Ecken zu finden. Girls to the front, heißt es. Die Punk- und Hardcore-Szene ist somit gar nicht mehr so männerüberflutet wie noch vor wenigen Jahren. Viele Frauen konnten mit ihren so anderen Stimmen überzeugen – quietschig, aber doch weich und sanft und nicht selten unberechenbar wild. Doch nur, weil es noch immer eher ungewohnt ist, eine weibliche Stimme an den Mikros zu vernehmen, bedeutet das natürlich nicht, dass alles Gehörte automatisch gut ist. Das Album-Debüt der Kamikaze Girls erinnert unfreiwillig genau daran.

Das britische Duo spielt auf „Seafoam“ eine schwere, progressive Mischung aus Post-Punk und Post-Rock, wobei die Stimme von Sängerin Lucinda Livingstone nicht selten klingt wie einer Indie-Nummer entnommen – wenn sie nicht gerade mit einem Effekt unterlegt ist. Kamikaze Girls scheinen sich hinten und vorne nicht einig zu sein, was sie eigentlich machen wollen. Stellt die helle Stimme Livingstones mal einen starken Kontrast zur Schwere der Musik dar („Good For Nothing“), ist sie im nächsten Moment vollkommen verzerrt oder stark verdunkelt – bei einer „Ballade“ wie „Weaker Thin“ wird’s da mit der tiefschwarzen Düsternis schon arg extrem.

Abwechslung bietet „Seafoam“ derweil trotz aller Monotonie genug. So anstrengend diese auf lange Sicht ist, bestechen immerhin „Berlin“, „KG Go To The Pub“ und „Deathcop“ durch flottes, voranschreitendes Tempo und einer schicken Punk-Attitüde. Gerade die verzerrten Stimmen passen hier ganz wunderbar und stellen Kamikaze Girls im besten Licht dar – allerdings bilden die Songs eben auch die Ausnahme. Monotonie beherrscht die Platte, weshalb man sich leider nicht selten dabei erwischt, einfach aussteigen zu wollen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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