Kids In Glass Houses – In Gold Blood

Musikrichtung Pop Rock, Pop Punk
Redaktion
Lesermeinung
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„Unsere […] zahlreichen und vielseitigen Bemühungen, an unserer Vergangenheit festzuhalten und in der scheinbar unendlichen Wärme unserer schönsten Momente zu leben, [sind] der Grund, warum in jedem von uns eine Lücke entsteht, wenn die Jahre dahingezogen sind und die Euphorie der Jugend verblasst.“

Wow, das klingt gut. Eine ausladende verbale Geste, ein syntaktisches Leckerli! Wie es gar schön auf der Zunge zergeht! Und eigentlich schlichtweg heißt, dass Poppunk-Bands nix mehr einfällt, sobald sie in Distanz zur Pubertät und eigener Zielgruppe geraten und nicht mehr ganz wissen, wie sie die – ihnen selbst abhanden gekommene – Jugend besingen können.
So geht’s denn wohl auch den schnuckligen Kids In Glass Houses bei Album Nummer Drei. Mit der großen UK-Welle der letzten Jahre nach oben gespült, liegen sie jetzt erschöpft an der rauen Küste von Teenage Wonderisland – und die ist ziemlich voll. Rette sich wer kann! Schon geht das Gekloppe um die wenigen Paddelboote los, denn Heil verspricht man sich erst auf dem musikalischen Festland.

Doch die Überfahrt auf der USS Weiterentwicklung ist kräftezehrend und treibt den ein oder anderen Passagier zum Wahnsinn. Auch Aled Phillips scheint ein wenig zu tief in die Buddel voll Rum geschaut zu haben und spinnt nun wilden Seemannsgarn. Eine Geschichte muss es sein, ja, eine Tragödie! Eine große Liebe in einer zusammenbrechenden Welt! Ein klassisches Motiv, und doch so aktuell! Weg von pubertärer Liebeslyrik, hin zum wahren Erzählertum! Ein Album als Epos; ja, ein Album mit Konzept!

Ah, soso. Das Konzeptalbum also. Der rettende Ast für alle Punkrocker, die nicht mehr über Gras rauchen und Herzklopfen singen wollen. Green Day und My Chemical Romance haben das ja mit ähnlichen Ideen schon sehr erfolgreich verkaufen können. Leider ist Aled Phillips dann doch nicht der große Lyriker und die Jahrzehnte umfassende Romanze mit bitterem Ende klingt nur in der Theorie sehr aufregend. Liegt neben dem begrenzten Wortschatz auch daran, dass Iain Mahanty, Philip Jenkins, Joel Fisher und Andrew Sheehy entgegen des alten Seefahrertricks nicht alles Unnötige von Bord werfen, sondern ganz im Gegenteil den Bug vollstopfen. Mit multiplen Gitarrenschichten, Streichern, Elektrospielereien. Das klingt fett, aber leer. Uninspiriert. Und in den besseren Momenten schlimmerweise gar nicht nach der eigenen Band. The Subways oder You Me At Six werden zitiert, und das nicht unbedingt geschickt. „In Gold Blood“ plätschert im Midtempo herum und vermag nicht die Epik zu vermitteln, die Phillips ja selbst sowieso nicht vermittelt kriegt.

Am Ende ist die Olle dann tot und niemanden juckt’s. Außer vielleicht, doch wieder, die Teenies. Die schauen doch ganz gern so Telenovelas: Seichte Liebesgeschichtchen mit vorhersehbarer Dramatik. Ja dann, Kinder im Glashaus, bereitmachen zum Kentern und zurückpaddeln! – – – Ach, irgendwie habe ich mich jetzt doch ein bisschen in diesem Seefahrer-Konzept verstrickt…

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Brand New - The Devil and God are Raging...// Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - alle Platten // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
Die besten Konzerterlebnisse Schwitzerei, Feierei, Reiherei

Kommentare

  2 kommentare

  1. Hans Franz

    Haha, witziges Review, auch wenn ich die Band nicht kenne!

  2. EspinozaSue29

    I had a desire to make my own company, nevertheless I did not have got enough of money to do this. Thank God my mate told to use the loan. Therefore I used the short term loan and realized my desire.

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