The Get Up Kids – There Are Rules

Musikrichtung Emo, Indie
Redaktion
Lesermeinung
0

Ganz identifizieren kann man das nicht, was da in den ersten 30 Sekunden aus den Boxen schallt, hat man das neue Album der Get Up Kids aus Kansas City im CD-Player.Danach aber wird das Bild umso klarer: Matt Pryors Stimme hat einen großen Wiederekunngswert und der kommt genau hier zum Tragen, klingt er doch wie noch vor 14 Jahren, wo das erste Album der Band das Licht der Welt erblickte.
„Tithe“, erster Song auf dem inzwischen schon fünften Longplayer der Band weckt gleich Erinnerungen an altes Material, auch wenn sich der Sound ohne Frage der Moderne angepasst hat: Verzerrter klingt alles, elektronische Klänge halten Einzug in die neuen Stücke. Doch hat man sich schnell an diese Neuerungen gewöhnt, mögen sie noch so ungewöhnlich erscheinen. „Shatter Your Lungs“ ist der wohl gewöhnungsbedürftigste Song auf „There Are Rules“, zusammen mit „Better Lie“, durchsetzt mit elektronischen Schlagzeugbeats und Synthesizerklängen die Daft Punk nicht besser hätten machen können. Mittendrin Pryor mit seinen Texten, mal eingängiger, mal tiefgängiger. „Automatic“ war bereits einige Monate vor dem Album auf der ebenfalls mit „Automatic“ betitelten EP erschienen und bot so einen Vorgeschmack auf das, was da auf einem zukommt, nachdem die Band sich 2009 nach fünfjähriger Pause wiedervereinigt hatte. Im Gesamtkontext erscheint der Titel längst nicht mehr so fremd und auch dass Jim Suptic hier zum Mikrophon greift erscheint nicht abwegig, immerhin hat er dem grandiosen „Ten Minutes“ vom fast schon legendären „Something To Write Home About“ aus dem Jahr 1999 schon seine Stimme geschenkt, welches bis heute das herausragendste Werk der Get Up Kids ist. So bietet dieser Titel auch ein deutlich poppigeres Bild im Gegensatz zum Rest des Albums. „Rally ´Round To Fool“ hingegen ist ein sehr atmosphärischer Song geworden, welcher durch die elektronischen Klänge im Hintergrund verfeinert wird und sich so zum stillen Highlight auf „There Are Rules“ mausert. Auch die lyrische Eingängigkeit schadet diesem Stück keineswegs, da es einen nahezu zeitlosen Klang besitzt. Mit „The Widow Paris“ kommt es gegen Ende der 42 Minuten dieses Albums noch mal richtig dicke: Wenn der Song in der letzten Minute förmlich explodiert, nachdem er sich immer mehr gesteigert hat, dann wird einem so langsam bewusst, dass The Get Up Kids gar nicht unbedingt den falschen Weg eingeschlagen haben.
Natürlich liegt auf der Hand, dass die Band dem alten Sound größtenteils den Rücken zugekehrt hat, nur in Nuancen kann man ihn auf „There Are Rules“ noch ausfindig machen. Dennoch muss man den Get Up Kids eines lassen: Auch wenn sie sich der Moderne angepasst oder viel mehr gebeugt haben, an ihrer Klasse hat die Band wenig verloren. Auch auf ihrem neuen Album erkennt man die Eigenständigkeit und das Feingefühl, welches man schon auf „Four Minute Mile“ oder „On A Wire“ gespürht hat. Die inzwischen schon recht alten Herren haben also gewiss nicht ins Leere getroffen, zwar erscheinen die elektronischen Klänge fremd und manchmal auch unpassend, aber The Get Up Kids bleiben The Get Up Kids, auch wenn sie nun etwas anders klingen mögen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Hinterlasse einen Kommentar