King Apathy – Wounds

Album Wounds
Musikrichtung Post Metal
Redaktion
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Die Erde blutet – und wir tragen die Schuld daran. Wissen tun wir das alle, nur vergessen wir es oft auch gerne wieder. King Apathy legen mit ihrem neuen Werk „Wounds“ den Finger in eine immer wieder aufbrechende Wunde. Neun Songs, die einer der hässlichen Fratzen der Menschheit den Spiegel und damit die ungetrübte Wahrheit vorhalten sollen.

„This world, once living, is not dying, it’s being killed!“

Das was derzeit tausende Schüler wöchentlich freitags auf die Straßen treibt, war für die Musiker von King Apathy bereits ein Thema als sie ihre Band noch Thränenkind nannten. Themen wie Anarchismus und Veganismus, denen sie mit ihrer Musik mehr Bedeutung in der Öffentlichkeit zukommen lassen wollen, verpacken die Jungs aus der Nähe von München in ein eigens kreiertes Genre, das sie Vegan Straight Edge Post-Metal nennen.

Tatsächlich vermischen sie Post, Black und Doom Metal zu einer sphärischen Mischung mit vielen ausufernden Melodien und einem Schuss Pagan Metal. Das klingt mal nach weiten, unberührten Steppen und mal nach einsamen Bergkämmen, nach spröder Erde, kalter Morgenluft und satten, grünen Wiesen – auf jeden Fall nach unbändiger Naturverbundenheit, viel gebündelter, durchdringender Energie. King Apathy haben ein Händchen dafür, Landschaften im Kopf entstehen zu lassen, packender, als jedes PC-Spiel sie zeichnen könnte. Dabei geben die Münchner ihrer Musik viel Luft zum Atmen, gehen nichts überhastet an.

Auf „Wounds“ befindet sich aber keine Meditationsmusik. Das hier ist noch immer Metal. Mal unterstützt von ruhigeren Schlagzeugparts oder aufgepeitscht von wilden Double-Bass-Attacken, führt das Schlagzeug seine Mitstreiter zielsicher durch jeden Song. King Apathy wechseln das Tempo, je nach Gefühlslage – und davon haben sie so einige. Und die kann auch mal ein einziger Song durchschreiten. So gallopiert „He Missed The Stars“ zu Anfang noch ungebremst mit Punk-Attitüde los, verfängt sich in der Mitte in einem sphärischen Gesangspart, um gegen Ende mit flirrendem Riffing auszuklingen. Die Gitarren entführen immer wieder in freie Welten (auch wenn sie soundtechnisch leider immer etwas in einer Nebelwand hängen bleiben), die sich langsam vor dem inneren Auge aufbauen.

Der Gesang hingegen dringt nur spärlich durch die dichten Soundteppiche. Nur, wenn er wirklich gebraucht wird. Nur, wenn er wirklich ein Statement setzen kann. Und diese Statements sitzen. Denn King Apathy sparen nicht am Zeichnen von Bildern des Untergangs dieser Welt, prangern die Ausbeutung der Erde genau so an, wie den vorherrschenden Kapitalismus („Anthropocene: Age of man? Negation of life!“) – dabei immer Mittelpunkt, die Schuldigen für die Misere: „Mankind is the killer, the murderer. Earthwrecker, domesticator, worldeater.“ Hoffnung auf ein besseres Morgen macht die Band nicht, wohlwissend, dass diese aus ihrer Sicht auch nicht in Reichweite ist.

King Apathy liefern mit „Wounds“ ein wuchtiges musikalisches Statement ab. Sie thematisieren das Auseinanderdriften der Beziehung von Mensch und Umwelt auf drastische, ungeschönte Weise, in Klangfarben, die mal schönste Landschaften entstehen lassen, nur um im nächsten Moment alles zu verbrannter Erde zerfallen zu lassen. „Wounds“ ist der Abgesang auf eine sterbende Welt. Eindrücklich, grausam und voller Pathos.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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