Knuckle Puck – Shapeshifter

Album Shapeshifter
Label Rise Records
Musikrichtung Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Wenn man viel Pop-Punk hört, wird es mit der Zeit immer schwieriger zu beschreiben, warum Album A besser als Album B ist. Irgendwo klingt dann eben doch alles zu ähnlich, werden die Muster zu oft wiederholt und scheint der einzige Unterschied manchmal dann doch nur in der Stimmfarbe zu liegen – vor allem in den letzten Jahren, in denen in diesem Genre so viel passiert ist.

Nach sechs EPs haben Knuckle Puck vor zwei Jahren mit „Copacetic“ ihr heißersehntes Debütalbum veröffentlicht und damit etwas tatsächlich Frisches präsentiert – dachte man zunächst, denn auch „Copacetic“ ist schnell vom Radar verschwunden. Es war zwar bekannt, dass Knuckle Puck weder zu den schlechten, noch peinlichen Bands gehören, überdurchschnittlich gut waren sie aber eben auch nicht. Andere Bands tauchten auf, veröffentlichten Ähnliches und irgendwann hatte man Knuckle Puck aus den Augen verloren. Schade eigentlich, denn schlecht haben Knuckle Puck ihre Arbeit gewiss nicht gemacht. Dass sie es allerdings noch besser können, zeigen sie nun mit ihrem zweiten Album „Shapeshifter“.

Soll gerade der zweite Longplayer der schwierige sein, scheint er für die Chicagoer Vorstädtern keinesfalls ein Problem gewesen zu sein: Schon die erste Single „Gone“ war besser als alles, was sie auf ihr Debüt gepackt haben. Zackig, rau, aber doch melodisch. Zur markigen Stimme Joe Taylors gesellen sich nicht weniger markante Gitarrenriffs und ein Drumming, dass den Hörer von Beginn an gehörig auf Touren bringt. Es ist moderner Pop-Punk – so gut, dass die Welt für einen Moment ausgeblendet wird und die Musik alle Sinne einnimmt. In der Definition zwar nicht einzigartig, allerdings absolut charakterstark. Eine Eigenschaft, die viele Bands des Pop-Punk-Genres nicht die ihre nennen können. Knuckle Puck jedoch schon – und das auf gesamter Albumlänge.

„Shapeshifter“ ist dabei keinesfalls ein wahres Hitgewitter (das wäre auch zu anstrengend), sondern stattdessen fascettenreich und kurzweilig. Zu flotten Songs, die so schnell nicht in Vergessenheit geraten („Double Helix“, „Done“) und bei denen vor allem die Kombination aus Gesang und Gitarren gekonnt in den Vordergrund gestellt wird („Everyone Lies To Me“), gesellt sich ebenso viel Ruhiges und Zurückgenommenes. Haben „Stuck In Our Ways“ und „Want Me Around“ einen vergleichsweise poppig-balladigen Charakter, kommt „Conduit“ sehr ruhig daher und hätte wahrscheinlich auch gut akustisch funktioniert. Dass Full-Band-Versionen nicht gleich für die beste Qualität bei Knuckle Puck stehen, zeigen die Herren mit „Plastic Brains“ schließlich ohnehin. Doch gerade „Wait“ könnte „Shapeshifter“ nicht besser zusammenfassen: Die perfekte Balance zwischen laut und leise, drückend und sanft. Vielseitig, interessant und ganz sicher nichts, was man nach wenigen Wochen vergessen hat.

War das erste Album gerade in Retrospektive eher belanglos und irrelevant, könnten sich Knuckle Puck mit „Shapeshifter“ kaum in besseres Licht rücken. Sie zeigen Charakter, der Hörer wird belohnt.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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