Kraftklub – Keine Nacht für Niemand

Band Kraftklub
Musikrichtung Indie
Redaktion
Lesermeinung
7

Schon Wochen bevor ihr drittes Album erschien, sorgten Kraftklub für Furore. Mit der Vorabsingle „Dein Lied“ schafften es die fünf Jungs aus Chemnitz auf die Websites großer Zeitungen und Musikfachzeitschriften. Der Grund: Textlich schlugen sie nach Meinung vieler Journalisten etwas über die Stränge. Andere wiederum feierten die Ehrlichkeit, mit der Felix Brummer einer Frau die Meinung geigt. Wer sich hinter der „verdammten Hure“ allerdings verbirgt, ist bis heute unklar.

Der Vorfreude auf das Album „Keine Nacht für Niemand“ (eine Anspielung auf die Band Ton, Steine, Scherben) scheint das aber nicht geschadet zu haben. In den Download-Charts steht die Band wie auch schon mit den Vorgängeralben auf Platz 1. Und das völlig zu Recht:

Wie schon „Mit K“ und „In Schwarz“ ist auch das neue Album wieder voll von Ohrwürmern und festivaltauglichen Hits. Musikalisch bleiben sich Kraftklub treu und spielen den gewohnt eingängigen Rock. Dabei werden sie auf dieser Platte unter anderem von Farin Urlaub von den Ärzten und Sven Regener (Element of Crime) unterstützt. Die ersten beiden Tracks können zunächst nicht so recht überzeugen, doch spätestens beim schnellen, tanzbaren „Chemie Chemie Ya!“ und dem rockigen „Hausverbot (Chrom & Schwarz)“ ist der Kraftklub-Fan wieder glücklich.

Textlich gibt sich Sänger und Frontmann Felix Brummer allerdings ungewohnt politisch. Songs wie „Fenster“ und „Sklave“ beschäftigen sich mit der aktuellen Situation in Deutschland. Mit AfD und Pegida, Verschwörungstheorien und eben auch der prekären Arbeitssituation vieler Menschen voller Überstunden und Zukunftsangst. Doch auch das Thema Liebe ist auf dem Album präsent. Etwa auf „Am Ende“, eine Hommage an den Element of Crime-Song „Am Ende denke ich immer nur an dich“, singt Felix über das Nichtvergessenkönnen und die Sehnsucht nach Liebe. „Verlasse mein Bett nicht, schaffe nur Netlix, True Detective und ich denke an dich.“ Auf „Leben ruinieren“ hingegen rät er auf ironische Art und Weise seiner Angebeteten davon ab, mit ihm eine Beziehung einzugehen. „Mädchen, du versaust dir dein Leben. Willst du dir dein Leben ruinieren mit mir? Denk an die Familie! Denk an deine Freunde!“

„Keine Nacht für Niemand“ ist ein würdiger Nachfolger von „Mit K“ und „In Schwarz“. Gerade im Hinblick auf die anstehende Live-Tour im November dürften die Songs gleich noch einmal besser ankommen. Und wer weiß, wie es erstmal wirkt, wenn Zehntausende „Du verdammte Hure“ schreien.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redaktionsvolontärin
Dabei seit November 2014
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Kraftklub - Mit K, Zugezogen Maskulin - Alles brennt, Bloc Party - Silent Alarm, James Blake - s/t, Casper - XOXO, Coldplay - A rush of blood to the head, Frittenbude - Delfinarium, Talisco - Run, Gerard - Neue Welt, Kendrick Lamar - Good Kid, M.A.A.D. City, Incubus - Light grenades, ...
Die besten Konzerterlebnisse Kraftklub (3x live erlebt, jedes Mal super!), Zugezogen Maskulin (Wiesbaden 2015), Casper (Deichbrand 2013), Talisco (Frankfurt 2014) und Deichkind (Osnabrück 2008)

Kommentare

  1 kommentar

  1. Damon

    Leider kann ich dem Review garnicht zustimmen.
    Für mich ist das 3te Kraftklub Album sehr belanglos, es besitzt keinen richtigen Höhepunkt und zudem besitzt das album keine wirklich Richtung, wo es denn hin möchte.

    „Textlich gibt sich Sänger und Frontmann Felix Brummer allerdings ungewohnt politisch.“ Ungewohnt ?
    Schon auf der 2ten Platte „In Schwarz“ sind Songs wie „3 Schüsse in die Luft“ (Thematiken: Flüchtlingskriese, soziale Armut) und „Hand in Hand“ (Thematik: Demonstration, Polizeigewalt) politisch geprägt.
    Es fehlt der Biss und neue Ideen.

    Das Album fühlt sich wie ein „es-ist-bald-festivalsaison-lass-mal-noch-ein-album-machen-ALBUM“ an.

    Kraftklub überzeugen dafür Live. Ich denke da ist dieses Album auch ein solider Lückenfüller.

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