Kvelertak – Nattesferd

Album Nattesferd
Band Kvelertak
Musikrichtung Metal, Rock
Redaktion
Lesermeinung
7

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt drehten Kvelertak 2010 die Metalszene für kurze Zeit auf links. Kaum eine Band hatte es zuvor geschafft, rotzigen Rock mit Black Metal derart in Einklang zu bringen – was allerdings auch nicht von allen Metalheads gefeiert wurde. Mit „Nattesferd“ ist unlängst das dritte Album der Norweger erschienen. Und auch das weiß wieder zu überraschen – diesmal mit 80er Metal-Anleihen. Fragt sich nur ob sich der Ausflug für die Band abermals gelohnt hat?

Rund zweieinhalb Minuten ist alles beim Alten, dann läuten Kvelertak eine neue Ära in ihrer Bandgeschichte ein. Der Opener „Dendrofil for Yggdrasil“ wummert anfangs noch mit dem zu erwartenden Black-Metal-Gewitter aus den Boxen, aber dann drehen die Jungs richtig auf. Auf ihrem neuen Album huldigen sie dem Metal der 80er. Und was im ersten Song zelebriert wird, ist kein Versehen. Die erste Singleauskopplung „1985“ dürfte die Welt des ein oder anderen Kvelertak-Anhänger auf den Kopf stellen. Einzig der Gesang von Frontmann Erlend Hjelvik lässt noch auf die Norweger schließen – zum Glück! Denn anderenfalls würde man wohl jeden Moment erwarten, dass Eddie Van Halen um die Ecke turnt. Kvelertak spielen 2016 Metal, bei dem früher die Vokuhila obligatorisch und die Leggings noch nicht verpönt war. Aber damit noch nicht genug: im Titelsong versuchen sich Kvelertak am typischen Rock ihrer Landesämter um Gluecifer und Turbonegro – mit umwerfendem Erfolg und einem der fettesten Soli, welches je auf einer Platte der Band zu hören war. Es ist die pure Energie, die Kvelertak auf „Nattesferd“ entfesseln. Ein Paradebeispiel dafür ist der rasende Punk-Kracher „Bronsegud (SSQ)“.

Wer jetzt annimmt, dass sich Kvelertak in zu vielen Spielarten verzetteln, kann aber beruhigt werden. Kein Kvelertak-Album klang zuvor so wie aus einem Guss, wie dieses. Und ja, es macht auch 2016 noch Spaß, zu erahnen, was die Texte eigentlich bedeuten sollen. Hier wurde nicht herum experimentiert. Norwegisch ist und bleibt für die Band die erste Wahl. Fraglich bleibt allerdings, ob die Band jemals wieder so nach NWOBHM klingen wird, wie auf „Berserkr“? Und ob das vielleicht auch am neuen Produzenten Nick Terry liegt? Der hat der Band zwischen all dem Geifer und der Wut nämlich auch eine ordentliche Portion Popappeal verordnet. Was ihnen wirklich gut steht! So lässt der letzte Song „Nekrodamus“ nochmal ordentlich mit dem Fuß zu ZZ-Top-Riff wippen. Und selbst eingefleischte Verweigerer der 80er müssen jetzt einsehen, dass der Metal aus diesem Jahrzehnt niemals out of Style sein wird. Kvelertak sei Dank!

Kvelertak zünden auf „Nattesferd“ eine bombastische Metal-Wundertüte – und haben ihr bisher abwechslungsreichstes Album aufgenommen. Kein Song klingt wie der andere und doch gibt es hier 100 Prozent Kvelertak zu hören. Und das wirft jetzt schon die Frage auf, mit was uns die Jungs auf ihrem nächsten Album überrumpeln werden. Wir freuen uns drauf!

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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