Landscapes – Life Gone Wrong

Band Landscapes
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Es war mehr oder weniger ein Zufall, als ich Ende 2009 bei Myspace (ja, Myspace!) auf Landscapes gestoßen bin. Damals waren More Than Life eine Band, die so gut wie jeder gehört hat, auch ich, und so passten Landscapes genau in mein Beuteschema. Drei Monate später hielt ich „Reminiscence“, die Debüt-EP der Band aus Somerset im Westen des Vereinigten Königreichs, in den Händen. In Deutschland kannte Landscapes damals noch so gut wie niemand und ich denke heute, dass das nicht unbedingt schlecht war. Immerhin tut ein früher Hype selten einer (Hardcore-)Band gut. Seitdem sind nun gut zwei Jahre vergangenen und Landscapes sind auch in Deutschland kein unbeschriebenes Blatt mehr, ist man doch letzten Sommer ausgiebig mit The Carrier und All Teeth durch Mitteleuropa getourt.
Nun ist es Zeit nachzulegen und so erscheint „Life Gone Wrong“, das Debütalbum von Landscapes, über City Of Gold Records.

„I can feel there’s movement after fading grey and silence pass like a shadow losing contrast as the night crawls over last. But life is surrounded by flowers in bloom, slowly dying, age is cursed and I’m trapped in a dark oak casket driven by a hearse.“
Ach, du schöne düstere Melancholie! Seit Joy Division oder The Cure ist das regnerische Britannien Hochburg derartiger Zeilen. Schon auf „Reminiscence“ haben Landscapes den ein oder anderen Verweis an diese großen Bands versteckt. Nicht umsonst flackert im Video zu „Cemetery“, dem ersten Song auf „Life Gone Wrong“, auch das Cover von Unknown Pleasures still im Hintergrund vor sich hin. Aber das ist längst mehr als nur eine Hommage; Landscapes sind ganz klar von dieser Melancholie geprägt, die schon Ian Curtis in seinen Songs zum Ausdruck brachte und der Opener „Cemetery“ ist dafür ein Paradebeispiel. Auch das Nachfolgende „No Love“ besticht wie schon „Cemetery“ nicht durch große Riffs, sondern durch große Emotionen. Hier spinnt sich ein Netz aus melodischen Passagen um den rauen Gesang von Sänger Shaun, bevor das Lied ausbricht und auch den Hörer vollkommen gefangen nimmt.
Ganz anders dann „Disdain“: Landscapes nehmen Fahrt auf und klingen so, wie Go It Alone oder Sinking Ships vielleicht 2012 geklungen hätten: Rau, emotional und mit dem Herz am rechten Fleck. So klang melodischer Hardcore Mitte des letzten Jahrzehnts. Bei Landscapes klingt er auch heute noch genau so, wie er sein soll – nur eben am Zahn der Zeit. Mit dem größtenteils gesprochenen „Providence“ erreicht „Life Gone Wrong“ dann den emotionalen Gipfel, der jedoch keineswegs den Höhepunkt bildet. Zu sagen, welcher Titel hier heraussticht, oder gar der „Beste“ ist, ist vollkommen vermessen.
Mit „Paradox“ schließt sich dann nach knapp 30 Minuten der Kreis, der mit „Cemetery“ begonnen wurde: „A broken spine and missing pages, a lost key lock with no way in. I was naive to presume I could just shake it off, or make it stop. Cause when you think about the things you had, there’s a pressure of what you lost.“
Was in dieser guten halben Stunde auf einen einwirkt ist schlicht kaum mit Worten zu beschreiben. Manchmal fehlen einem die Worte, manchmal wird man einfach nur mitgerissen. Man muss es gehört haben, sich selbst ein Bild davon machen, was Landscapes mit ihrem Debütalbum geschaffen haben.

Auf jeden Fall, und das steht fest, ist es aber schön mit anzusehen, wie sich die Band entwickelt hat. Landscapes sind heraus getreten aus dem Schatten von More Than Life, können sich gegen alle Vergleiche hinwegsetzen und haben mit „Life Gone Wrong“ die wohl beste Veröffentlichung vorgelegt, die seit „Brave Enough To Fail“, von eben More Than Life, in Sachen melodischen Hardcore aus Großbritannien gekommen ist.
Und ja, ich weiß dass in diesem Review More Than Life öfters erwähnt wurden, als Landscapes. Doch ich denke nun ist es an der Zeit, das Ganze umzudrehen. Immerhin haben More Than Life ihren Zenit längst überschritten und Landscapes mit „Life Gone Wrong“ ihren noch lange nicht erreicht. Grund genug, dass letztere in Zukunft als Maßstab für den europäischen, melodischen Hardcore gelten sollten. Wer das nicht glaubt, der soll sich dieses Album anhören und sich einfach auf dem Meer aus Melodie und Melancholie treiben lassen. Und sollte jetzt der Hype um Landscapes losgehen, sie hätten es verdient.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  3 kommentare

  1. Fiese Ente [Facebook]

    extrem melodsicher.

  2. Andre Wimmer

    Hat den Platz in meiner “ BEST OF 2012 SO FAR“ Playlist verdient 😀

  3. Tienchen

    Entfesselde Scheibe. Geht nicht nur unter die Haut, frisst sich direkt in Mark und Knochen. Es gibt nix vergleichbares…!!

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