Laura Jane Grace & The Devouring Mothers – Bought To Rot

Label Bloodshoot
Musikrichtung Folk-Punk
Redaktion
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Während die Punks um Against Me! langsam daran denken, ein neues Album aufzunehmen, bringt Frontfrau Laura Jane Grace mit der neu formierten Band Laura Jane Grace & The Devouring Mothers kurzerhand ein eigenes heraus – das mit einem Zwiespalt zu kämpfen hat. „Bought To Rot“ steht zwischen den Stühlen des Versuchs der Sängerin sich von ihrer Hauptband zu emanzipieren und einem schlichten, kurzweiligen Tapetenwechsel.

Der Opener „China Beach“ wirft gleich zu Beginn ein paar Fragen auf: Hörten sich Against Me! so nicht zu Zeiten von „As The Eternal Cowboy“ an? Wo ist jetzt genau der Unterschied zur Hauptband von Laura Jane Grace? Und wann hat sie sich zuletzt so angepisst wie in diesem Refrain angehört? Na gut, zugegebenermaßen ist das nicht vollkommen wie Against Me! Eher halten sich die Songs im Midtempo-Bereich und auch der Punk bleibt hier etwas mehr in den hinteren Reihen. Dennoch finden sich im Line-Up des Trios mit Against-Me!-Drummer Atom Willard und dem Tontechniker der Hauptband Marc Jacob Hudson am Bass ein paar bekannte Gesichter wieder. Von einer schlichten Kopie will man nach bereits einem Durchlauf aber schon nicht mehr sprechen – und „Bought To Rot“ ist sogar viel mehr als nur ein einfaches Nebenprojekt. In einem Interview nannte Laura das neue Album den Versuch eines Waisenkinds eine Heimat in der Welt zu finden. Außerdem sei es eine Art Verneigung vor dem verstorbenen Tom Petty. Dessen Album „Full Moon Fever“ war das erste Album überhaupt, das Grace mit neun Jahren von ihrem Vater bekam, und das sie nachhaltig prägte.

Und es ist nicht das einzige persönliche Erlebnis, das Grace auf dieses Album bannt: Laura Jane Grace & The Devouring Mothers beschäftigen sich auf „Bought To Rot“ mehr denn je mit der persönlichen Gefühlswelt ihrer Namensgeberin. Die charismatische Frontfrau singt über Liebe, Freundschaft, eine meist ausgrenzende Gesellschaft und wie man ihr trotzdem täglich mit erhobenem Haupt begegnet. Und die Dinge, die einem im Alltag zustoßen und die man nicht so einfach abstreifen kann. Ein Album voller Kraft und Zuversicht, ganz ohne die politischen Ambitionen von Against Me!, dafür aber mit viel Poesie und Selbstliebe.

Die 14 Songs verpackt die Band in ein melodisches Gewand aus Americana und Bar-Rock, der eher auf die Kleinkunstbühne einer schäbigen Kaschemme passt als auf die großen Rockbühnen. Aber genau dort gehören diese persönlichen Zeilen auch hin – mit einem Whisky in der Hand und einem wippenden Fuß direkt vor der Bühne. Ein bisschen scheint auch Atom Willards Zeit bei Social Distortion durch. Ein bisschen räudig und ein bisschen widerspenstig aber mit ganz viel Herz und nie einem Blatt vor dem Mund. Wie in „I Hate Chigaco“, wenn Grace über ihre derzeitige Heimat herzieht und gewissen Persönlichkeiten klar werde sollte, dass sich manche Shitholes praktisch vor der eigenen Haustür befinden. Hier ist Laura Jane Grace in Bestform und mit ihrer bissig satirischen Art wieder genau in ihrem Element – und genau so, wie wir sie lieben.

„Bought To Rot“ ist das Americana-Album, das Against Me! nie geschrieben haben. Einen großen Einfluss der Band zu leugnen wäre auch Quatsch. Laura Jane Grace ist einfach Against Me! – oder vielmehr ist Against Me! Laura Jane Grace. Dennoch sollte man die Platte nicht als schlichte B-Seite sehen. Dafür sind die Songs zu ehrlich und zu persönlich. Einen Kontext, in dem man sie bei Against Me! wohl nie verstanden hätte. Am Ende steht hier ein eigenständiges Album, das Geschichten aus dem Leben erzählt. Ungeschönt, ungeschminkt und unglaublich gut.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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