Lionheart – Love Don’t Live Here

Mit seiner neuen Frisur sieht Frontmann Rob Watson – im Gegensatz zur Glatze vorher – richtig freundlich aus. Auf den Sound von Lionheart hat diese neue Freundlichkeit allerdings nicht abgefärbt. Die Kalifornier sparen sich die Melodien und drücken lieber das Gaspedal voll durch.

„All this cracks in my heart like the cracks on the street. I can’t find no peace.“

„Love Don’t Live Here“ prescht nach vorne wie ein Donnerschlag. Lionheart begraben ihren melodiösen Hardcore mit einer satten Packung Graberde aus stählernen Metal-Elementen. Ob das Quintett seit ihrem letzten Longplayer noch verbitterter geworden ist, oder in letzter Zeit mehr Loyal To The Grave gehört hat, lässt sich nicht genau sagen – fest steht nur, dass „Love Don’t Live Here“ geradlinig, kraftvoll und kompromisslos aus den Boxen hallt. Catchy Songs wie „Lifer“ vom Vorgänger „Undisputed“ sucht man auf diesem Album vergebens. Dafür haben sich mehr gerappte Parts und sogar ein kurzes Metal-Solo („Lock Jaw“) eingeschlichen.

Ansonsten punktet die Platte vor allem durch ihre Härte. Eine neue Entschlossenheit durchdringt die Songs, die von den Shouter-Qualitäten Rob Watsons ungemein profitieren. Textlich bleibt alles beim Alten: die Straßen der Heimatstadt bereiten ein hartes Leben, man bleibt sich immer noch selbst treu und alle Feinde können sich warm anziehen. Für das Album-Highlight allerdings sorgt die Rhythmussektion, die den Songs durch unermüdlichen Einsatz einen treibenden Groove verleiht – und sich natürlich auch vor brachialen Breakdowns nicht scheut.

Ein Quantensprung ist „Love Don’t Live Here“ nicht geworden, aber ein gutes Referenzalbum für das Genre. Kein Schnick-Schnack, rohe Gefühle und zahlreiche Schläge in die Magengrube. Alles in allem ist die neue Platte gut, aber viel zu kurz geraten – die Spielzeit bleibt deutlich unter der 30 Minuten-Marke. Wen das nicht weiter stört, der kann Lionheart dabei zuhören, wie sie das Biest in sich entdecken.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar