Lostprophets – Weapons

Album Weapons
Label Sony Music
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
4

Alles hat seine Zeit. So steht es in der Bibel so wird es auch seit je her von all jenen ausgesprochen, die keine Worte mehr finden oder schlichtweg nichts mehr zu sagen haben. Die Lostprophets hatten auch ihre Zeit. „Start Something“ war ein Brett von einem Album, ein Großwerk des Nu Metal (Gott hab ihn selig!). Der Nachfolger „Liberation Transmission“ brachte dann den Wandel in weitaus poppigere Gefilde und es wollte nicht mehr zünden. Die Frisuren wurden scheußlich, die Musik zahnlos und ich wohl auch einfach zu cool. Was letztlich den Ausschlag gab, wer weiß das schon. Fakt ist, nichtsdestotrotz begleiten mich zwei Songs der verlorenen Waliser bis heute. „Last Train Home“ und „Last Summer“ werden mich nie verlassen, die Band hatte es längst. Bis zu jenem schönen Frühlingstag, wo „Weapons“ ins Haus flatterte und schnurstracks zu mir flog.
Nach gefühlten 20 Jahren waren sie also wieder da und als könnte es nicht beschissener anfangen, sieht das Cover mal gleich meinem persönlichen Lostprophetsgrabstein viel zu ähnlich. Liberation Transmission Teil zwei (oder drei, es gab ja noch „The Betrayed“)? Echt jetzt? Nein, zum Glück nicht. „Weapons“ kommt schon namentlich ganz martialisch um die Ecke und schaltet auch musikalisch wieder zwei Gänge hoch, bzw. zurück, denn schon der Opener „Bring’em Down“ hat Nostalgiepotential. Nu Metal bleibt trotzdem tot, man klingt mittlerweile eher ein wenig wie Rise Against und „this time i question to answer!“-Geshoute (“If You Don’t Stand For Something, You’ll Fall For Anything”) passt da gut ins Bild.
Die Message ist ohnehin immer noch die Gleiche: Wir machen weiter, egal wie viele uns was wollen oder sich uns in den Weg stellen! Trotz ist Trumpf (in allen Lebenslagen); war schon bei „Last Train Home“ so, nur klang er da einfach frischer, wenn auch schon damals nicht gerade kreativ. Mittlerweile ist’s teilweise leider richtig stumpf geworden. „if you bring a gun, baby, we bring an arsenal“, jo. Mit „Better Of Dead“ gibt’s zur Ablenkung etwas kruden Sprechgesang auf die Ohren, auch nicht gerade der heilige Gral, aber das Album lebt ohnehin nicht von Experimenten oder lyrischem Tiefgang. „Jesus Walks“ ist nämlich kein Kanye West-Cover, sondern ein lupenreiner Pop/Rock Song mit schöner Melodie, einem Schuß Wehmut und gut Euphoriepotential. Der altbekannte Lostprophetskosmos eben, nur bewegt man sich darin auf „Weapons“ jetzt insgesamt mal wieder etwas schneller, trotz der süßen Morningshowballade „Somedays“.
Schön zu wissen also: Die Jungs machen noch Musik, können mit Sicherheit auch noch begeistern und klingen sogar wieder mehr nach „meinen“ Lostprophets. „Weapons“ wird bei mir trotzdem nicht mehr laufen. Meine Lostprophetsgeschichte ist längst vorbei, aber vergessen wird sie nie.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Koordination Interviews, Lektorat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

Kommentare

  1 kommentar

  1. Martin

    Ach, Jugenderinnerungen.. Last Train Home.. Ach..

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