Love A – Nichts ist Neu

Band Love A
Musikrichtung Indie, Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Das vierte Album „Nichts ist neu“ zu nennen ist ein ganz schön cleverer Schachzug von Love A: präventiv immunisieren die Indie-Punks sich gegen jede Form der Kritik, die da lauten könnte, sie würden sich, ähnlich wie etwa ihre Genre-Kollegen Captain Planet, musikalisch nur bedingt weiterentwickeln. Kann die Szenepolizei also beruhigt aufatmen? Nicht ganz.

Der Opener „Nichts ist leicht“ knüpft direkt an den Albumtitel an. „Wär’ so gerne wie die anderen, die die scheinbar funktionieren“, singt Sänger Jörkk Mechenbier in gewohnt frustriert-charismatischer Manier und erinnert dabei besonders im Refrain an Love As wohl größten Hit „Windmühlen“. Schon dieser Song zeigt, wie Love A sich einerseits treu bleiben und andererseits trotzdem verändern: Indie-Rhythmen, trockene Bassläufe, aber an Atmosphäre etwas dicker aufgetragene Gitarren- und Gesangssound. Hall ist das Stichwort – die Songs gehen nicht mehr voll auf die 12.

Das Selbstreferenzielle wird bei „Nachbarn II“ besonders explizit, der einen gleichnamigen Song vom Debütalbum fortsetzt. Während Mechenbier auf dem Erstlingswerk noch angepisst und albern über seine Nachbarn lästert, präsentiert der Sänger in dieser Version eine düstere Skizze von Anwohnern, die sich, unverstanden von ihren Mitmenschen, das Leben nehmen. Love A haben sich endgültig von den lustigen Perspektiven verabschiedet und widmen sich ausschließlich den Abgründen – vor allem den eigenen.

Die Bandmitglieder sind längst nicht mehr die jüngsten in der Indie-Disko. Love A ist als Einheit, so abgedroschen es klingen mag, aber erst mit „Nichts ist Neu“ so richtig erwachsen geworden. Den besten Beleg dafür liefert das wunderbar verträumte „Die Anderen“. Hier fusionieren Mechenbiers nachdenkliche Selbstreflexion und der filigrane Smiths-artige Klangteppich so präzise, dass man sich gerne darin verliert.

Love A bleiben eine verlässliche Instanz in der deutschen Indie/Punk-Szene. Die Frage, ob das jetzt immer weniger Punk oder immer mehr Indie wird, sei mangels Relevanz ignoriert. Viel wichtiger – Love A sind mutig genug, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Sie sind erwachsener und vielschichtiger geworden, aber immer noch wütend genug, um mitreißende Songs zu Papier zu bringen. „Nichts ist neu“ – alles ist gut.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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