Lower Than Atlantis – s/t

Album s/t
Label Sony
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
2

Was ist denn da geschehen? Lower Than Atlantis haben sich innerhalb weniger Jahre vollständig der Major Label-Industrie hin und dabei ihre Originalität an der Garderobe abgegeben. Das aktuelle selbst-betitelte Album möchte gefallen um jeden Preis – das funktioniert aber nur zum Teil.

Lower Than Atlantis sind in den Mainstream abgewandert. Ja, das ist eine gewagte Behauptung. Aber im Kern fasst sie alles zusammen, was die Band aus Waford, UK auf ihrer neuen Platte zusammengeschustert hat. Leicht überdurchschnittlicher, harter Radio-Pop-Rock mit kristallklar produziertem Weichspülersound, gepitchten Vocals und Nullachtfünfzehn-Songstrukturen. Von der Kratzigkeit und Härte der vorherigen Alben keine Spur. Leadsänger Mike Duce ist sogar stellenweise ein wenig nervig. Evolution ist gut, erst recht musikalische. Wenn aber soviel von einer ehemals großartigen Band verloren geht, dann tut es einfach weh.

Der Opener „Here We Go“ ist erst einmal nicht erwähnenswert, obwohl er bereits mit Video als Single ausgekoppelt wurde. Das nachfolgende „Ain’t No Friend“ dagegen bietet mit elektronischen Samples und einem hübschen Refrain einen ersten Höhepunkt. „English Kids In America“ könnte so auch von den Killers stammen und „Criminal“ klingt als erster Titel dann wirklich nach Lower Than Atlantis – wären da nicht die penetranten Synthie-Streicher im Hintergrund. Der starke Melodieanteil war bei Lower Than Atlantis natürlich auch auf den vorherigen Alben wie dem 2010er „Far Q“ schon wichtig. Doch in diesem Fall ist es manchmal zuviel von allem.

„Words Don’t Come Easily“ ist fast der ruhigste Titel und ein süßer kleiner Pop-Trauerkloß. Nach dem irgendwie unauffällig dahin fließenden „Emily“ zeigen Lower Than Atlantis in „Stays The Same“ noch einmal eindrucksvoll, warum dieses Album eine Pop-Rock-Scheibe ist: Der Song ist wirklich derart schmalzig, dass es weh tut.
„Live Slow, Die Old“ ist im Grunde eine zusammenfassende Kopie aller vorherigen Titel. Erst bei „Damn Nation“ werden Lower Than Atlantis wieder lauter und drücken eine heftige Riff-Wand vor sich her. Sehr gut, so hätte auch der Rest des Albums werden müssen – ist er aber nicht. Auch das nachfolgende „Time“ ist melodisch gesehen nicht schlecht, aber eben auch zu vorhersehbar. Eine weitere Ballade mit „Just What You Need“ und der Abschluss ist mit dem etwas düstereren „Number One“ geschafft. Zum Glück, muss man leider sagen.

„Lower Than Atlantis“ ist ein Hybrid aus den frühen Killers-Alben und der ein oder anderen Single von Panic! At The Disco, kombiniert mit Restfragmenten des bandeigenen Stils, welcher sie einmal so gut gemacht hatte. Das ganze dann noch mit reichlich Zuckerguss verfeinert, in servierfertige Portionen zerteilt und schon hat man ein Album, dass auf keinen Fall ein Risiko eingehen will. Schade, dass Lower Than Atlantis ausgerechnet diesem Album das Schild mit ihrem Namen aufdrücken, als würde sie die Essenz der Band widerspiegeln. Jede vorherige Platte hätte das mehr verdient. Gefallen wird dieses Album hier trotzdem vielen, denn nur dazu ist es auch gedacht.

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