Lower Than Atlantis – World Record

Album World Record
Musikrichtung Rock, Punk
Redaktion
Lesermeinung
3

Lower Than Atlantis aus Groß Britannien haben wohl wie keine andere Band aus ihrem Land im vergangenen Jahr für eine gewisse Skepsis gesorgt. Wer die Entwicklung der Jungs mitverfolgt hat wird wissen warum:
„Bretton“, die erste EP aus dem Jahr 2009, lässt sich ohne große Diskussionen dem Post-Hardcore zuordnen und wurde so von der „Szene“ im Vereinigten Königreich mit Applaus aufgenommen. Dann aber folgte die Metamorphose: Drei der vier Mitglieder der Band schmissen hin und Mike Duce stand allein da sowie vor der Entscheidung, weiterzumachen oder Lower Than Atlantis zu Grabe zu tragen. Er machte weiter, suchte sich neue Mitstreiter und ein Jahr später erschien mit „Far Q“ das erste Album, welches sich vom Post-Hardcore soweit weg befand wie London von Glasgow. Die alten Fans hatten die Band schon aufgegeben und waren von der Entwicklung von einer astreinen Szene-Kapelle hin zu einer Rockband alles andere als begeistert, weswegen sich Far Q zuerst nicht gerade großer Beliebtheit erfreute. Die Kritiker rund um den Globus aber sahen das anders: Sie sahen in Far Q einen Befreiungsschlag, war das Album doch mit kritischen Texten gespickt und durchweg einfallsreich.
„World Record“ ist der Titel des zweiten Albums der Band, welches nur ein Jahr nach dem Erstling erscheint. Alte Freunde zurück gewinnen, so viel ist sicher, werden Lower Than Atlantis mit diesem Werk sicherlich nicht. Der Opener „(Motor) Way Of Life“ beschäftigt sich mit dem Tourleben, mit welchen Lower Than Atlantis schon genügend Erfahrungen gemacht haben: „And we’re going to play the roof off of the venue. And I’m going to sing until my lungs collapse. There’s nothing more that I want in this moment. This is my calling so I’ll answer it.“
Dass Mike Duce sich des öfteren die Lunge aus dem Körper singt macht vor allem das energische „Bug“ klar. Leider aber bleibt dieses Lied das einzige auf „World Record“, das wirklich kräftig und wütend daherkommt. Alle anderen Songs, von „Uni 9mm“ bis zum abschließenden „R.O.I“ sind zwar durchaus rockig und im typischen, trockenen britischen Stil gehalten, stechen aber leider nicht sonderlich hervor, so wie beispielsweise das schon erwähnte „Bug“, die Ballade „Another Sad Song“ oder die zweite Single „Deadliest Catch“.
Wenn Far Q ein Befreiungsschlag war, dann kerkern sich Lower Than Atlantis mit „World Record“ ein. Man kann hier von Stagnation auf einem durchweg guten Niveau sprechen, oder aber von Stillstand. Die Band rund um Mike Duce muss so auf ihrem neuen Album etwas an Wut und Energie einbüßen, gehen die neuen Songs doch längst nicht mehr derartig nach vorne wie die älteren Stücke auf Far Q. Fakt ist, dass „World Record“ ein recht polarisierendes Album geworden ist, welches aber durch zweifelsohne großartiges Songwriting überzeugt.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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