Manchester Orchestra – A Black Mile To The Surface

Musikrichtung Alternative, Rock, Pop
Redaktion
Lesermeinung
6

Viele Künstler berichten davon, vor allem in schwierigeren Lebensphasen kreative Höchstleistungen abzuliefern. Im Gegensatz dazu funktioniere Zufriedenheit, so die weit verbreitete Annahme, nicht als Basis für substanzielle Kunst. Auch Andy Hull, frischgebackener Vater und Kopf von Manchester Orchestra, befand sich in einer Inspirationskrise als Folge seiner gefundenen Mitte. Erst die Gedanken an die mögliche oder sogar unausweichliche Veränderung dieser Situation, brachten den kreativen Motor wieder zum Laufen.

Musikalisch sind Manchester Orchestra gerade im Vergleich zu ihren wilden Anfängen strukturierter, man möchte fast sagen, erwachsener geworden. Schon im ersten Song „The Maze“ finden sie im gemächlichen ¾-Takt mit imposantem Chorgesang den unbeschwerten Weg durch die Gehörgänge. Mit etwas gelockerter Handbremse traut sich dann „The Gold“ im Anschluss nach vorne. Ein überwältigender Refrain, den Andy Hull voller Innbrunst vorträgt. Die Mehrstimmigkeit, eingehüllt in derart druckvolle Klangteppiche ist so ziemlich der Sound, auf man vergeblich gehofft hatte, als sich Mumford & Sons vor ein paar Jahren die E-Gitarren umwarfen. In diesem Song über die Vergänglichkeit einer scheinbar intakten Beziehung kann man sich problemlos verlieren.

Werke von dieser Sorte bietet „A Black Mile To The Surface“ gleich mehrere an. „The Alien“ verzichtet sogar auf jegliche Verzerrung und mutet mit schwebenden Streichern und melodischem Klavier cineastisch an. Dass Manchester Orchestra Filmmusik schreiben können, haben sie ja bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Soundtrack zum Film „Swiss Army Man“ bewiesen.
In „The Grocery“ reichen sich dann schließlich die jungen und erwachsenen Versionen von Manchester Orchestra die Hand. Ein Song, der kraftvolle, aggressive, sowie ruhige, introvertierte Parts unnachahmlich zusammenführt.

Manchester Orchestra sind berüchtigt für düstere, traurige Texte, die von Andy Hulls vielseitiger Stimme gegen bombastische Soundwände geschmissen werden. Mit „A Black Mile To the Surface“ geht die Band neue Wege ohne die alten Spuren völlig zu verwischen. Ein intensives Album, auf dem es mehr zu entdecken gibt, als es der erste Eindruck vermuten lässt.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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