Martyrdöd – Hexhammaren

Album Hexhammaren
Band Martyrdöd
Musikrichtung Crust
Redaktion
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Vorwärts, vorwärts, nie zurück: Auch auf Album Nummer sieben pumpen Martyrdöd ihren wahnsinnigen D-Beat in neue Höhen und hauchen dem Nischen-Genre neues Leben ein. Dabei versucht sich die Band auf ihrem Major-Debüt aber auch an einigen Neuerungen.

Für Freunde dynamischer Gitarrenarbeit dürfte „Hexhammaren“ jetzt schon eines der Highlight in 2019 sein. Hier flirren, sägen und tönen die Äxte ohne Unterlass – immer druckvoll angetrieben von rasenden Bassläufen und umtriebigem Schlagzeugspiel. Martyrdöd wissen, wie sie alles aus ihren Instrumenten herauskitzeln, ohne dabei auf Experimente wie Breakdowns, elektronische Unterstützung oder andere Spielereien zurückgreifen zu müssen. Motörheads Lemmy (Gott habe ihn selig) würde die Leistung dieser Band wohl als puren Rock’n’Roll bezeichnen. Und genau das ist es auch, was die Jungs hier abfeiern. Als hätten Turbonegro, Zeke und Kvelertak sich in jungen Tagen getroffen und ihre Stärken in eine Waagschale geworfen. Die Essenz wäre wohl ein hochexplosives Feuerwerk à la „Hexhammaren“ gewesen. Ein Destillat bestehend aus kraftvollen Riffs und dynamischen Crustpunk-Dauerläufen garniert mit Metal-Einspielern.

Dabei hätte man es der Band wohl kaum verdenken können, hätten sie sich nicht verzettelt: „Hexhammaren“ ist das erste Album der Göteborger auf dem Major Century Media, das wohl auch von den sechs vorhergehenden Alben überzeugt war. Aber nicht nur der Druck einer großen Plattenfirma lastete auf der Band, sondern auch der Ausstieg von Gitarrist und Gründungsmitglied Pontus Redig, der laut der Band der gemeinsamen Musik nicht länger genug Zeit und Einsatz widmen konnte. Seinen Platz an der Gitarre übernahm Band-Basser Tim. Mit Daniel Ekeroth (u. a. Dellamorte, Insision, Usurpress) wurde ein neues Mitglied für die dickeren Saiten rekrutiert.

Wie also befreit umgehen mit diesen Umständen? Mit den Aufnahmen betraute die Band wieder Fredrik Nordström im Fredman Studio, der unter anderen auch schon für Wolfbrigade, At The Gates oder Agrimonia an den Reglern Platz genommen hatte. Diese Konstante blieb also zumindest, um der Band ein sicheres Fundament zu bieten. Im Studio hätte die Band dann nach eigener Aussage versucht, einfach loszulassen und sich nicht zu sehr von Details ablenken zu lassen. Der Sound der dabei entstand sei roh und ehrlich gewesen – mit schnellen Takes und improvisierten Soli. Und genau das hört man „Hexhammaren“ auch an.

Als Hörer macht es einfach nur Laune, sich bei irrsinnigen Feuerritten wie „Sthlm Syndrom“ die Nakenmuskeln zu zerren oder beim Titelsong die Fäuste in die Lüfte zu recken. Dabei begibt sich die Band trotzdem immer wieder auf unbekanntes Terrain wie dem cleanen Gesang in „Pharmacepticon“ oder auch Mid-Tempo-Ausflügen wie beispielsweise in „Nästa Syrien“. Ein Umstand, der „Hexhammaren“ einen Facettenreichtum verschafft, den Genrekollegen zwischen all dem Soundgeballer oftmals vermissen lassen.

„Hexhammaren“ entstaubt den D-Beat mit neuen Impulsen und einer grandiosen Gitarrenarbeit – und dürfte hoffentlich auch Martyrdöd endlich einem breiteren Publikum zugänglich machen. Verdient hätte es die Band ohnehin spätestens seit dem Vorgänger „List“. Aber besser spät als nie. Und ein Ende der Energie, die diese Jungs an den Tag legen, ist ohnehin nicht absehbar.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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