Matula – Auf Allen Festen

Band Matula
Label Zeitstrafe
Musikrichtung Emopunk, Indie
Redaktion
Lesermeinung
7

Was wäre die Bundesliga ohne Bayern München? Spannend, ja das auch, aber vor allem das perfekte Ebenbild der Emopunk-Szene: Brutale Qualität auf engem Raum – ohne Ausreißer. Love A, Adolar, Captain Planet und wie sie alle heißen, auf den Bühnen der Republik begeistern sie schon lange, mittlerweile geistern sie auch durch ihre Gazetten. Deutsch funktioniert, prächtig sogar; und damit das 2014 auch brav so weitergeht, steht gleich die nächste Truppe Gewehr bei Fuß – Matula. Die alten Herren der Zunft haben gleich noch einen weiteren Grund zur Freude; sie begehen ihren zehnten Bandgeburtstag und wie es gutem Stil gebührt, dürfen wir alle mitfeiern!

Hört man dieser Tage munter quer und landet da etwa bei Freiburg, fällt es schwer die Brücke zu den Jubilaren zu schlagen. Während die wilden jungen mit der Tür ins Haus fliegen, klingen Matula vergleichsweise sanft. Es riecht förmlich schon nach der Gretchenfrage: Ist das noch Punk? Ja, „Auf Allen Festen“ ist Punk, denn ein ausgeprägtes Gespür für Stimmungen und die passenden Melodien, nimmt einem Album noch lange nicht das Recht verdammt angepisst zu sein. Zugegeben, ihre Raffinesse lässt Matula ein wenig Schlagkraft einbüßen, aber letzten Endes macht sie eben den besonderen Reiz aus.

„Auf allen Festen tanzen, am besten mit der Braut.“ Alles haben wollen, überall und am besten immer mehr davon. Das ist der Zeitgeist. Wie das auf Dauer funktionieren soll? Genau, gar nicht! „Hier regiert ein Anspruch und verlässt gesunde Wege!“ Die großen Themen, sie wechseln nicht von Woche zu Woche. Seinen Weg ins (Berufs)Leben finden, einmal mehr aufstehen als hinfallen; alles tausendmal besungen und die nächsten tausend Songs dürften schon warten. Die bekannte Botschaft besser rüberbringen als andere ist also die Kunst. Wie das geht beweist nicht nur „Monstrum“. Und wer scheinbar blind die Emotionen rauskitzeln kann, darf auch mal ein Keyboard ins Boot nehmen („Für ein Leben“). Man würde dem Quartett wahrscheinlich sogar einen Dubstep-Part verzeihen, wo die Songs doch permanent auf solche Stilblüten zusteuern: „man hält den Status hoch, wenn schon nicht den Kopf“ – köstlich, wahrhaft köstlich!

Natürlich stößt auch „Auf Allen Festen“ an Grenzen. „Die härtesten Türen der Stadt“ etwa ist ein fein ausgeklügelter Song für alle am Scheideweg zwischen Sichtreubleiben und Tretmühle. „Du bleibst ein Mensch und die verlieren! Du hast ein Leben ohne falschen Stolz!“, viel Wahres in wenigen Zeilen, zweifellos und doch spielt er bloß mit einer Utopie, dem Wunsch nach Einfachheit. Das schöne Schwarz/Weiß-Schema, so funktioniert Star Wars, nicht die wahre Welt. Das wissen Matula, das wissen wir alle und dennoch brauchen wir hehre Ziele wie dieses! Erst Recht, wenn der elevator-talk bei Goldmann Sachs weiter seine Blüten treibt.

Dass die besungene Indie-Disco wohl ohne „Auf Allen Festen“ tanzen wird, liegt freilich einzig und allein am kruden Verständnis von „Indie“, nicht etwa an Matula. Die haben ihren Platz an der Sonne mit Bravour verteidigt!

Schweini und Co. spielen aber weiterhin nur Fußball.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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