Matula – Blinker

Matula - Blinker

Matula – Blinker

Matula stehen neben Turbostaat und Captain Planet für den typischen, emotionalen Punkrock mit Norddeutscher Attitude, welcher sich in den letzten Jahren in der Szene breit gemacht hat. Nach einem vor knapp drei Jahren erschienen und durchweg hervorragenden Debütalbum mit dem Titel „Kuddel“, einer Split mit NeinNeinNein aus dem Ruhrpott und einer weiteren mit Captain Planet und Mikrokosmos23, erscheint über Zeitstrafe nun das zweite Album mit dem Titel „Blinker“. Gemastered wurde die Scheibe in den Hertzwerk Studios in Hamburg, wo auch schon Jupiter Jones und Montreal ihre Platten veredeln ließen. Die Zeichen, dass auch das zweite Album dieser norddeutschen Jungs mehr als solide sein wird, stehen also gut.
Der Opener „Baumarkt“ klingt ab der ersten Sekunde typisch nach Matula: Treibendes Drumming, keine überdrüssigen Riffs, sondern schlichte, einfache Gitarrenuntermalung. Nur eines ist anders: Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichungen klingt die Stimme von Sänger Thorben nicht so bombastisch, eher zurückhalten und kratziger als zuvor. Ein erster Minuspunkt? Keineswegs. Und so hinterlassen die ersten Minuten auf „Blinker“ schon einen Eindruck, der sich gewaschen hat: Ob „Baumarkt“ oder „Fridtjof Nansen“ (wer‘s nicht weiß: Fridtjof Nansen war ein norwegischer Friedensnobelpreisträger), beide Stücke klingen emotional und bestechen durch tiefgängige, überaus durchdachte Lyrics. Wo „Strassen“, im Chorus durch mehrstimmigen Gesang überzeugt, da kommt „Hammerbrook“ mit tollen Phrasen aus, wie zum Beispiel: „Und du bleibst hier stehen, nachts auf S-Bahn-Gleisen. Ein Post-It auf der Stirn; Mit der Bitte um Rückfahrt.“ Vor allem letzteres Stück beweist, das Musik nicht schreiend oder mit übermäßig lautem und schnellen Gitarrenspiel vorgetragen werden muss, um da anzukommen, wo ihr Ziel liegt: Im Kopf und im Herzen. Einen kleinen Vorwurf muss man Matula aber machen, besonders „Hähnekrähen“ klingt doch ziemlich verdächtig nach Captain Planet. Nicht, dass man sich etwas bei den Kollegen von Unterm Durchschnitt etwas abgeschaut hätte, denn Matula klingen noch immer eigenständig, was vor allem mit dem überaus gelungnen und abschließenden „Karaoke“ deutlich wird, aber das Rad wird hier nicht neu erfunden, vieles hat man doch irgendwo schon mal gehört. Und auch dass „Over The Top“ so schon auf der Split mit NeinNeinNein zu hören war, könnte man als Minuspunkt werten. Nichtsdestotrotz, man kann wohl kaum von der Hand weisen, dass „Blinker“ ein vorzügliches, wenn auch recht eingängiges Album ist. Von Vorne bis Hinten, von Hinten bis Vorne stimmig und mit ordentlich Emotion und Herzblut versetzt. So kann man zum Schluss nur sagen, dass Matula auch mit ihrem zweiten Album voll und ganz überzeugen. Der Blinker wurde also eindeutig in die richtige Richtung gesetz

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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