Millencolin – SOS

Album SOS
Label Epitaph
Musikrichtung Punkrock
Redaktion
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Schweden, Land der Fleischbällchen, der Gladoms und Backabros. Schweden, Heimat der Satanic Surfers, von No Fun At All, The Hives und natürlich Millencolin. Seit 1993 sind Sänger und Bassist Nikola Sarcevic, die Gitarristen Erik Ohlsson und Mathias Färm und Drummer Frederik Larzon die „Schweden mit dem gelben Vogel“. Gute dreieinhalb Jahre nach dem überraschend guten „True Brew“ wollen es die Urgesteine nun noch einmal wissen – da horchen natürlich nicht nur Hardcore-Fans auf. Immerhin zählen die beiden ersten Alben „Tiny Tunes“ und „Life On A Plate“ noch heute zu den wichtigsten und auch besten Alben des Genres.

Als sie dann 2000 mit „Pennybridge Pioneers“ den großen Meilenstein setzten und sich in die Riege der ganz Großen einreihten, war aber auch der schleichende Abstieg irgendwie programmiert. Die nachfolgenden Alben „Kingwood“ und „Home From Home“ konnten das Niveau nicht mehr halten und nachdem „Machine 15“ dann für wirkliche Fans den absoluten Tiefpunkt dargestellt hatte, waren die Erwartungen nicht mehr allzu hoch. Da erschien das frische „True Brew“ wie ein zweiter Frühling – und der ist noch nicht ganz vorbei.

„SOS“ beginnt gleich mit dem relativ schnellen Titelsong, der schon vor einiger Zeit als erste Single voraus geschickt wurde, um dem geneigten Hörer den Mund wässrig zu machen. So flott unterwegs hatte man Millencolin schon lange nicht mehr gehört! „For Yesterday“ tritt dann ein wenig die Bremse und klingt leider sehr durchschnittlich beziehungsweise sehr nach „Kingwood“. Doch glücklicherweise ist schon „Nothing“ wieder frischer und flotter unterwegs. Natürlich hat hier niemand eine Reise zurück in die Neunziger erwartet, aber „Sour Days“ nimmt wirklich jegliche Hoffnung, etwas mehr Skatepunk der alten Schule zu bekommen.

Der stete Wechsel zwischen zackigen Punksongs und durchschnittlichen Midtempo-Nummern bleibt auch nach „Yanny & Laurel“ weiter erhalten und so bietet „SOS“ insgesamt keine großartigen Überraschungen, aber schöne Melodien. Aufgenommen ist das Ganze natürlich in gewohnt hoher Qualität, ohne aber vollkommen überproduziert zu sein, was den Songs zusätzlich eine punkige Note verleiht.

Nimmt man die Alben von „For Monkeys“ bis heute, so ist das neueste Werk im Mittelfeld anzusiedeln. Die Frische, die zuletzt „True Brew“ gebracht hat, ist etwas abgeflaut, aber trotzdem ist „SOS“ keinesfalls langweilig wie „Machine 15“. Dass Millencolin eine gewisse Neigung zum Mainstreampunk haben, ist ohnehin ein offenes Geheimnis. Doch auf „SOS“ sind keine MTV-Hits wie „Kemp“ – und das darf gerne so bleiben.

 

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
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