Minipax – LiebeHassFriedenKrieg

Band Minipax
Musikrichtung Punk
Redaktion
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„Wir besiegen unseren Führer, die Partei und die Nation. Ist er mal nicht mehr, so bekommen wir den Sohn.“

Deutschpunk befindet sich seit einiger Zeit in einem Wandel. Die schrammeligen Knüppelbands sind nahezu ausgestorben und das musikalische und auch textliche Niveau steigt stetig an. Gerade in Zeiten des Rechtsrucks ist es auch notwendig, mit Niveau und eindeutiger Aussage aufzutreten. Genug von Grauzonenmist oder Möchte-Gern-Gangstern, die mit Ausschwitzvergleichen einen Echo einheimsen.

Minipax gehen textlich eindeutig auf Konfrontation. Auf ihrem Debutalbum „LiebeHassFriedenKrieg“  bieten sie „Antifadeutschpop“, wie sie ihren Stil selbst beschreiben, um musikalisch eher bekömmlich untermalt, politisch relevante Inhalte der breiten Masse zugänglich zu machen. Man konnte sich ja auch vor zwei Jahren schon ein Bild machen, was die fünf Jungs drauf haben, als ihre EP „1984“ raus kam.

„LiebeHassFriedenKrieg“ startet mit dem sehr viel versprechenden Titel „Lieber Wütend Als Traurig“.  Mit flottem Tempo bringt der Song das Album recht gut in Schwung und es geht auch bei „Freier Wille“ nicht weniger rasant zu.

„Die Beschissenheit der Dinge nimmt so langsam Überhand. Schuld sind nur die Menschen in diesem kalten Land.“

Die klare Kante, ein lautes „No Nations“ und „Alerta“, eben ihre unüberhörbare linksaktivistische Einstellung zieht sich durch die Songs wie ein roter Faden. Das haben sie ja vor gut einem halben Jahr mit The Prosecution im Lyricvideo zu „Grenzen“ schon eindeutig gezeigt. Und die zweite Videoauskopplung mit dem Titel „Frieden Ist Krieg“ hatte auch erkennen lassen, wie es hier musikalisch zugeht und welche textliche Bandbreite Minipax zu bieten haben. Aufrufe zum Widerstand gegen Populismus und völkische Tendenzen sind immer tief verwurzelt.

Als dritte Auskopplung haben die Jungs „Hey Du“ gewählt. Ein sehr poppiger Punkrocksong, der ausnahmsweise ohne offensichtliche politische Aussage daher kommt. Der Song behandelt eher das Problem, das oft entsteht, wenn man einen ehemaligen Kumpel länger nicht gesehen hat und sich außerhalb des üblichen Smalltalks nicht mehr viel zu sagen hat. Das Album schließt dann mit „Grenzen“ und ganz ehrlich: Es sollte mehr Songs, wie diesen geben. Und zwar von jeder Band, die sich gegen rechts stellt. Von jeder Band, die sich für sozial hält und die schon mal „Refugees Welcome“ posaunt hat.

„Mach deine Grenzen auf für jedes Kind. Für alle Menschen, egal woher sie sind. Bau deine Mauer auf, ich reiß sie wieder ein. Und die, die fliehen müssen, werfen den ersten Stein.“

„LiebeHassFriedenKrieg“ ist ein starkes Album geworden. Die Texte sind schlagfertig, auch wenn es Abschnitte gibt, die man gefühlt schon hunderte Male so gehört hat. Wichtig aber ist die Kernaussage und diese stimmt eindeutig. Musikalisch wird es bestimmt dem ein oder anderen zu clean sein, anderen finden vielleicht gerade die poppige Eingängigkeit gut. Definitiv aber können Minipax so eine wichtige Band im Bereich des deutschsprachigen Punkrock werden.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
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